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Erstes Automobil in Fels 1912

Der Kaufmann Johann König besaß 1912 das erste Automobil in Fels. Welche Automarke das hier abgebildete Automobil war, konnte bisher leider nicht ermittelt werden.

Automobil Typ Voiturette in Fels 1912
Fels, Automobil von 1912 und Johann König mit Frau und einem der vier Kinder im Hof seines Hauses Wienerstrasse 5 [Foto: Archiv Leuthner]

Wir sehen jedenfalls ein Automobil vom Typ "Voiturette" (französisch "Kleinwagen"). Das ist ein sportlicher Zweisitzer, der ab 1909 von vielen Automobilherstellern produziert wurde. Unter anderem von Laurin & Klement (später Skoda-Werke) aus Tschechien, der die Modelle "Voiturette A" und "Voiturette B" herstellte, Sizaire-Naudin aus Frankreich oder der Firma Opel aus Deutschland. Die Modelle waren um 1910 günstig in der Anschaffung und so auch für breitere Bevölkerungsgruppen erschwinglich.

Meistens wurde für die Motorisierung ein Ein- oder Zweizylindermotor verwendet. Laurin & Klement Modelle hatten eine Leistung von 6 PS oder 8 PS. Opel hatte in seinem Automobil von 500 kg Gewicht einen 8 oder 10 PS Vierzylindermotor, der Geschwindigkeiten von 60 km/h erlaubte. [FN1]

Wer also diese Höchstgeschwindigkeit außerhalb von Ortschaften erreichte, beging jedoch eine Verwaltungsübertretung, da außerhalb von Ortschaften nur die Geschwindigkeit von 45 km/h erlaubt war. In Ortschaften galt eine Geschwindigkeit von 15 km/h, nicht mehr als ein schnelles leichtes Fuhrwerk erreichen konnte. Diese Bestimmungen für den Betrieb von Automobilen und Motorrädern finden wir in der Verordnung des Ministeriums des Innern vom 27. September 1905  und der Novelle vom 28. April 1910.

Das Autokennzeichen, in schwarzer Schrift auf weißem Grund, lautet "B I 35" [FN2]. Es folgt der amtlichen Vorschrift und beginnt mit dem Buchstaben "B" für Niederösterreich, einer römischen Zahl und danach folgen arabische Ziffern. Die Scheinwerfer fehlen bei diesem Automobil, jedoch musste bei eintretender Dunkelheit oder bei Nebel das Fahrzeug mit zwei gut leuchtenden Laternen mit farblosen Gläsern ausgerüstet sein.[FN3]

Herr König musste um die Zulassung des Fahrzeuges bei der Behörde ansuchen und eine Prüfung ablegen, um das Fahrzeug lenken zu dürfen. Dabei musste er maschinelle Kenntnisse des Fahrzuges nachweisen können und eine Probefahrt mit dem Fahrzeug absolvieren. Danach erhielt er eine Lizenz, die ihm aber entzogen werden konnte falls er sich beim Lenken des Fahrzeugs strafbar machte. Damals gab es in Österreich noch Linksverkehr, der ab 1915 einheitlich in allen Kronländern der Monarchie eingeführt wurde. Erst 1938 wurde mit reichsdeutscher Verordnung in Österreich auf Rechtsverkehr umgestellt.

Quellen: [FN1] Allgemeine Automobil-Zeitung, 21. Februar 1909, Nr. 8, Seite 24;
[FN2] Victor Silberer (Hg.), Die Auto-Nummern von Wien und Niederösterreich 1915, Verlag der Allgemeinen Sport-Zeitung, Wien 1915;
[FN3] Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1910, XXXI. Stück, Ministerialverordnung Nr. 81 vom 28. April 1910.