Erdbeben im April 1895

In Gösing war 1895 ein leichtes Erdbeben zu spüren, das in Laibach schwere Schäden anrichtete.

Der Oberlehrer und Schulleiter Karl Wiglitz vermerkt in der Schulchronik Gösing ein leichtes Erdbeben am 14. April 1895 um 17 Uhr.

"... hat gegen 5 Uhr abends nur ein sehr kurze Zeit währendes Erdbeben mit wellenförmigem Zittern hierorts stattgefunden. ... Möbelstücke gerückt erschienen, hängende Werkzeuge zu Boden fielen und Uhren stehen blieben. Nebenerscheinungen wurden ... nicht bemerkt. - Im Gegentheil! Die Luft war rein und ruhig, wie überhaupt dieser Tag als ein recht angenehmer Frühlingstag bezeichnet werden konnte. ... " [FN1]

War dies der Vorbote eines noch fürchterlichen Bebens das noch folgen sollte? 

Nun, in Gösing hatte sich frühzeitig ein Beben angekündigt, das in der Nacht die südlichen und östlichen Alpen Österreichs mit dem Epizentrum um Laibach erschütterte. Die Ausläufer des Bebens waren im Süden bis Ravenna und Florenz zu spüren, im Norden bis Wien, im Osten bis Agram und Ungarn, im Westen bis Salzburg.

Das Beben begann in Laibach am 14. April um 23:15 Uhr und die wiederholten, nicht weniger als einunddreißig Erdstöße dauerten bis 7 Uhr morgens. Viele Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt, es gab viele Verwundete und leider waren auch zwei Menschenleben zu beklagen. Die Zeitung Neue Freie Presse berichtete:

"... Laibach war in der verflossenen Nacht eine Stätte des Schreckens und Entsetzens, aber auch an anderen Orten, namentlich in Triest und Fiume, wurde durch das Erdbeben eine fürchterliche Panique hervorgerufen. Die Erschütterung erstreckte sich ferner längs aller Linien der Südbahn von Wien bis Triest, dann durch das Pusterthal in Südtirol bis Ala, und die heute Nachts verkehrenden Züge waren dadurch großen Gefahren ausgesetzt. ..." [FN2]

In Wien wurden die Erschütterungen um 23:20 Uhr wahrgenommen. In den oberen Stockwerken der Häuser klirrten die Fensterscheiben, Uhren blieben stehen und Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen. Nach insgesamt drei Erdstößen war der Spuk vorbei und richtete keinen nennenswerten Schaden an.

Quellen: [FN1] Schulchronik Gösing; [FN2] Neue Freie Presse, Morgenausgabe, Dienstag, 16. April 1895, Seite 3.