Bau des Fliegerhorstes

Flugplatz Fels

Mit dem Bau des Flugplatzes und des Barackenlagers wurde im Sommer 1938 begonnen. Südwestlich von Fels wurde ein Areal von ca. 140 ha für den Flugplatz festgelegt. Die dafür nötigen Grundstücke wurden gepachtet und an das Flugplatzkommando A6/XVII unter Major Simmer übertragen. Der Flugplatz mit einer Ausdehnung von 1000 x 700 m wurde in A-Horst Typologie errichtet und bestand aus den Einrichtungen

  • Hangar (mit Vorfeld in der NO-Ecke)
  • Holzhangar (S-Ecke)
  • Offene Waffenjustieranlage
  • Kohlenbunker
  • Unterflurtank (NO-Ecke)
  • Tankstellen
  • Munitionslager
  • Hasenstall
  • Betriebsgebäude
  • Erdbunker
  • Schießstand
Flugplatz und Barackenlager Fels
Plan von Flugplatz und Barackenlager in Fels um 1939.

Ausbildungslager der Luftwaffe in Fels

Das Lager wurde nördlich des Ortes errichtet und hatte eine Ausdehnung von 700 x 220 m. Die Grundstücke wurden für diesen Zweck gepachtet. Mit dem Bau wurde im Sommer 1938 mit Hilfe lokaler Arbeiter begonnen. Die etwa 100 Baracken wurden aus Holz errichtet. Die größten Gebäude waren die Garagen und Werkstätten mit befestigtem Betonvorplatz von 20-25 m x 175 m. Hier befand sich vermutlich auch die Zisterne zur Wasserversorgung. Das Wasser wurde über eine 2 km lange Leitung aus dem Brunnen im Tullnerfeld südlich des Flugplatzes gepumpt. Im Zentrum des Lagers befand sich der grosse Apellplatz mit zwei Schulflugzeugen. Die Belegung des Lagers erfolgte ab Februar/März 1939.

Barackenlager Fels
Plan Barackenlager Fels, Rekonstruiert mit Hilfe von Luftaufnahmen um 1939.

Angorahasenzucht

Am Flugplatz Fels befand sich der sogenannte Hasenstall. Etwa 2.000 weiße Angorahasen wurden hier gehalten. Betreut wurden sie von 8 bis 10 Personen aus Fels und Umgebung. Die Hasen mussten laufend geputzt und 2 bis 3 mal jährlich geschoren werden. Die Wolle wurde in drei Qualitätsklassen sortiert und in Papiersäcken verschickt.

"1er Wolle" = Fallschirmerzeugung, "2er Wolle" = Socken und Wäsche für Soldaten, "3er Wolle" = war das Verfilzte.

Das Futter wurde teils aus dem Betrieb des Schlosses Fels (Landwirtschaft) geliefert, das Grünfutter musste das Personal selbst mähen. Die Junghasen wurden in Zusammenarbeit mit dem Hasenstall vom Flugplatz Langenlebarn gezüchtet. Die Tiere mit untauglicher Wolle wurden geschlachtet und das Fleisch in Lazarette geliefert.

Beim ersten Luftangriff auf den Flugplatz Fels in der Nacht auf Pfingstmontag, den 4. Juni 1944, fiel eine der ersten Bomben auf den Hasenstall, wobei fast alles vernichtet wurde. Nur wenige Hasen konnten dem Brand entkommen, es wurden sogar welche in Grafenwörth gesehen.

Auch die Pfarrchronik vermerkt 1944 über diesen Bombenangriff: 

"... Das hier errichtete Flugfeld ist nun zum Verderben geworden, zum Fluchfeld, diesmal haben wir diesen Schrecken über uns ergehen lassen müssen. ... In der Nacht vom Pfingstsonntag auf Pfingstmontag da ging es noch glimpflich ab. Es wurde jener Teil des Flugfeldes getroffen, wo die Angora Kaninchen gehegt wurden. Schlimmer waren die Verwüstungen in der Pfarre Etsdorf, besonders in Diendorf, wo auch Menschenleben zu beklagen waren ..."

Abriss der Gebäude und Demontage

Der Flugplatz Fels und das Lager wurden im April 1945 von der deutschen Luftwaffe geräumt und die Wasserleitung sowie die Gebäude von Räumkommandos teilweise zerstört. Die Russen rückten am 8. Mai in Fels ein und bezogen die Baracken. Der Flugplatz wurde kurze Zeit genutzt. Als die Russen Mitte 1946 abzogen, wurden die Baracken abgerissen und per Bahn nach Russland transportiert. Die letzten baulichen Überreste des Lagers verwendete die Bevölkerung.

Der Flugplatz wurde den ehemaligen Besitzern 1957 durch Entscheid des Landwirtschaftsministeriums zur wirtschaftlichen Nutzung zurückerstattet.

Quellen: Pfarrchronik Fels, Schulchronik Fels, Ernst Pfaffeneder: Einsatzflughafen Fels am Wagram 1938-1945, 2007.