Kaiser Franz-Josephs-Bahn - Strecke Absdorf-Krems

In Österreich befuhr 1837 die erste Privatbahngesellschaft, die "Kaiser Ferdinands-Nord-Bahn" erstmals am 11. November die Strecke von Floridsdorf nach Deutsch-Wagram. Es folgten weitere Bahngesellschaften, die finanziell ein Erfolg waren. In der Wirtschaftskrise um 1873 wurden die Bahngesellschaften wie die Nordbahn und die 1856 erbaute Westbahn verstaatlicht. Nur die Südbahn, die defizitär war, blieb in privater Hand. Der Ausbau der Hauptbahnen in der Monarchie war um 1880 beendet. Nun wurden auch abgelegene Gebiete erschlossen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren an die 60 Privatbahnen in Österreich in Betrieb.

Die "Kaiser Franz-Josephs-Bahn" wurde als Privatbahn von Fürst Schwarzenberg gegründet. Die Strecke (Budweis-) Gmünd-Eggenburg wurde 1869 eröffnet, die Strecke Eggenburg-Wien 1870. Die Strecke Absdorf-Krems wurde 1872 eröffnet. Die Bahn wurde 1884 verstaatlicht.

Chronik vom Bahnhof Fels am Wagram von 1870 bis 1994

23. Juni 1870
Eröffnung der Kaiser Franz-Josephs-Bahn.
Mit der Eröffnung der Franz-Josephs-Bahn am 23.6.1870 wurde von Krems nach Absdorf ein regelmäßiger Bahnverkehr eingerichtet.

Vom Handelsministerium wurde festgelegt, dass die Flügelbahn Krems-Absdorf 3 Monate nach Eröffnung der Kaiser Franz-Josephs-Bahn betrieben werden soll. Der Baubeginn verzögerte sich, weil die Franz-Josephs-Bahn Gesellschaft neuerlich angehalten wurde, wegen Platzierung des Bahnhofes Krems eine Neuplanung vorzunehmen. Diese wurde von der Gesellschaft dem Handelsministerium verspätet vorgelegt, dass er erst mit Erlaß vom 9. Mai 1870 lt. Zl. 13.339 genehmigt wurde.

Hierauf konnte erst mit dem Bahnbau Krems-Absdorf tatsächlich begonnen werden.

1. März 1871
Die Bauunternehmung Hr. Haudek und Hr. Neubauer beginnen mit dem Bau der Bahn Krems-Absdorf.
Es wurden 4 Baukanzleien eingerichtet: Krems, Hadersdorf, Kirchberg und Absdorf. Von diesen Stellen wurde gleichzeitig an der ganzen Strecke der Bahnbau begonnen.
Vertragsgemäß musste die Eröffnung der Strecke im November 1871 stattfinden.
An einem Bauabschnitt waren beschäftigt: 8 Wagner, 4 Schmiede, 28 Zimmerleute, 10 Maurer, 7 Steinmetz, 96 Steinbrecher, 160 Taglöhner, 10 Teichgräber, 42 zweispännige und 16 einspännige Fuhrwerker.

9. November 1871
Von der Station Absdorf fuhr die Lokomotive Nr. 101, mit Fahnen und Blumenschmuck, bejubelt von der freudigharrenden Bevölkerung einen Train, welcher aus der Lok, einem Personenwagen und aus 26 mit Eisenbahndienern beladenen Güterwagen bestand.
Es war zugleich eine Probefahrt, die zeigen sollte, ob die Bahn und Brücken solide und fest gebaut sind. Es zeigten sich keine Mängel.

10. Jänner 1872
Der Eisenbahnflügel Absdorf-Krems wurde für den Personen- und Frachtgüterverkehr eröffnet.
Der Eisenbahnbetrieb auf der Franz-Josephs-Bahn und auf der Flügelbahn Absdorf-Krems wird nach der "Prager-Zeit" abgewickelt, während sich der übrige Verkehr und das Leben im Ort überhaupt nach der sogenannten "Wiener-Zeit" richtet. Die "Prager-Zeit" war 12 Minuten nach der "Wiener-Zeit".

1. Oktober 1872
Es wurde auf allen Eisenbahnen der Österreichischen Monarchie die "Wiener-Zeit" eingeführt.
Die Mittagszeit wurde täglich in allen Bahnstationen und Wärterhäusern durch 12 gleichmäßige Schläge bekannt gegeben.

November 1872
Ab nun wurde täglich einmal nach und von Wien je ein Lastzug geführt. Der Grund war die zu großen Verspätungen der Personenzüge, die die Güterwagen beförderten und der Unmut der Bevölkerung darüber.

Mai 1873
Anlässlich der Weltausstellung und der Eingaben seitens der Bevölkerung wurde von Wien nach Krems täglich ein Schnellzug geführt. Der erste Schnellzug dieser Strecke trug die Nr. 205

Die hohen Fahrpreise:

Wien - Krems: 1. Klasse ... 4 Gulden 27 Kreuzer    (ca. 170 Schilling im Jahr 1967)
                      2. Klasse ... 3 Gulden 20 Kreuzer     (ca. 140 Schilling im Jahr 1967)

1881
Es wurde eine Bahnhofhaltestelle in Fels  errichtet.

August 1891
Für die Beamten der Staats- und Privatbahnen wurden neue, einheitliche Uniformen eingeführt.
In Gala: Hut, Waffenrock, goldbordierte Beinkleider.
Im Dienst: Flottenrock, goldene, den Rang bezeichnende Achselstücke mit Goldknöpfen, Offiziersmütze mit dem Eisenbahnemblem (Flugrad).
Für den Diensthabenden wurde als besonderes Zeichen eine "Rote Mütze" eingeführt.

1. Oktober 1891
Der gesamte Eisenbahndienst wurde nun nach der "Mitteleuropäischen Zeit" (MEZ) abgewickelt.

14. Mai 1892
In allen Bahnhöfen wurde die Bahnsteigsperre eingeführt. Freier Zutritt war hinkünftig nur dem reisenden Publikum, den Ortsbehörden und den Militärstationskommandanten gestattet. Alle anderen Personen mussten eine "Bahnhof-Eintrittskarte" zu 10 Kreuzer lösen.

1904
Die Gemeinde Fels sah sich veranlasst vom Ort zur Eisenbahnhaltestelle eine Strasse anzulegen.

1906
aus der Bahnhaltestelle Fels wird eine Station.

22. Juli 1944
Nachtangriff engl. Bomber um ca. 0:30h  auf den Flughafen Fels. Der Bahnhof wurde nicht getroffen.

4. Oktober 1944
Über Antrag des Bf.-Vorstand wird ein MG. 15 gegenüber der Fahrdienstleitung in Stellung gebracht. Bedienung durch Bf.-Vorstand und Fahrdienstleiter.

7. Mai 1945
Der Räumungszug über Absdorf-Hippersdorf, Hadersdorf am Kamp nach Siegmundsherberg wird um 14:32h abgefertigt. Die Bediensteten werden angewiesen ebenfalls dorthin zu fahren. Der Bf. Vorstand tritt per Fahrrad diese Reise an.
Um 16:00h  werden von einem Soldaten der Wehrmacht alle 4 Weichen und das Mittelstück gesprengt.

8. Mai 1945
Um ca. 16:30h betritt der erste Russe die Fahrdienstleitung. Die Wohnung und die Fahrdienstleitung wird von den Russen besetzt.

20. Mai 1945
Der Fahrdienstleiter Mölzer vom Bf.-Krems/Donau übernimmt die Leitung des Bahnhofes als Fahrdienstleiter.

Herbst 1946
Es konnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges folgender Zugverkehr wieder eingeführt werden:

Krems/Donau                        Wien.
Ab Krems                               ab 5 Uhr             täglich, nur für Reisende mit
An Wien Nordwestbahnhof    an 7 45              Dringlichkeitsbescheinigung

Ab Krems                               ab 7 16              wochentags, ohne
An Wien-FJB.                         an 12 28            Dringlichkeitsbescheinigung

Ab Krems                               ab 13 10            wochentags, mit
An Wien FJB.                         an 17 56            Dringlichkeitsbescheinigung

Die Leitung des Bahnhofes Fels wurde dem BB.-Ass. Hr. Mölzer übertragen.

1948
Die Wiedereinführung des Bahnhofrevisionsbuches wurde mit dem 4. Amtsblatt 6 D 6 Stück aus 1948-Zl. 39 bekannt gegeben.

4. Oktober 1951
Der bisherige Betriebskontrollor Bk. 8 Insp. Pfeiler übergibt den Streckenbereich an Bk. 10 Insp. Pfeiffer.

30. September 1953
Fdl. Felber übernimmt vom Fdl. Mölzer die Leitung des Bahnhofes.

Bahnhof Fels, 1953
Bahnhof Fels, 1953

1. Jänner 1956
Die Halte- u. Ladestelle Wagram-Grafenegg wird dem Bahnhof Fels unterstellt.

11. Februar 1965
Der Aufsichtsbereich 7 wird von Bk. 7 Insp. Bukovic an Bk. 7 Insp. Kreuzwieser übergeben.

1967
Die notwendig gewordene Sanierung des Bahnhofes wurde durchgeführt. Nach den vorherigen zahlreichen Um- und Zubauten präsentiert er sich in diesem erfreulichen Bild. Im Zuge dieser Sanierung wurde auch die Sicherungsanlage umgebaut, die in die Fahrdienstleitung verlegt wurde.

Bahnhof Fels
Bahnhof Fels

Die Sicherungsanlage der Bauart 5007 mit der Hebelbank wurde in Betrieb genommen.

Bahnhof Fels
Bahnhof Fels

1980
In diesem Jahr wurde mit den Elektrifizierungsarbeiten im Abschnitt Absdorf-Hippersdorf bis Krems/Donau begonnen. Die Verkabelungsarbeiten der Fernsprechverbindungen auch abgeschlossen. Das Bahnhofsgebäude wurde um 10 m in der Länge für Batterie-und Relaisräume vergrößert.

März 1981
Übergabe des Bk.-Bereichs 8 von Hr. Ob.Insp. Hermann Binder an Hr. Ob. Insp. Kurt Sterz.

15. Oktober 1981
Es wurde der Bahnhofplatz asphaltiert.

12. November 1981
Es wurde die Sicherungsanlage-Bauart 5007 mit Blockwerk und Meldetafel in Betrieb genommen. An diesem Tag wurden auch die Formsignale entfernt und Lichtsignale in Betrieb genommen.

Bahnhof Fels
Bahnhof Fels

Mai 1982
Der Kantenbahnsteig wurde gemacht, sowie der ganze Bahnsteig asphaltiert.

Juni 1982
Im Zuge dieser großen Umbautätigkeit wurde auch der Bahnhofplatz neu gestaltet und präsentiert sich so im neuen Kleid.

Juli 1982
Die Fahrleitungsarbeiten wurden im Juli 1982 beendet. Die feierliche Eröffnung wurde für September 1982 festgelegt. Es galt noch die restlichen, oder die reinigenden Arbeiten durchzuführen. Es wurden die Bediensteten der Bahn, sowie die Firmen über die Gefahren im E-Betrieb eingehend belehrt. Am 18. August 1982 riss noch ein LKW mit hochgestelltem Ladekipper im km 14.890 (EK) den noch spannungslosen Fahrdraht ab.

Bahnhof Fels
Bahnhof Fels

24. September 1982
Die feierliche Eröffnung erfolgt am 24. September 1982. [... Ein Sonderzug mit dem Verkehrsminister hält auch in Fels und wird von der Bevölkerung empfangen; umrahmt von der Ortsmusik.]

Bahnhof Fels, 1982, Diesel-Lok
Bahnhof Fels, 1982, Diesel-Lok

Jänner 1988
Fa. Weingut Schloß Fels (Tochterbetrieb SPAR) transportiert Wein und Spirituosen zu den Zentrallagern per Bahn.

Februar 1988
Der Bestandplatz der Fa. Schneider wurde im Einvernehmen mit beiden Firmen adaptiert. Die ÖBB stellten 200 t Gleisschotter zur Verfügung, Fa. Schneider besorgte den Aushub und die Beschotterung.

August 1988
Im Rahmen der Bauarbeiten im August 1988 wurde der Bestandplatz durch die ÖBB weiter vergrößert und mit Aushubmaterial der REI aus Gleis 1 befestigt. Der Halbjahresumsatz Fa. Weingut Schloß Fels 1988 = 87 Wg. = 1.596 t.

4. September 1989
Ab September neue Eilzugverbindung Fels-Heiligenstadt. Diese neue Zugverbindung wird sofort sehr gut angenommen, schon am ersten Tag ab Fels mit 30 Reisenden.

2. Juni 1991
Einführung des NAT / 91 (Neuer Austro-Takt 91). Ab 2. Juni 1991 verkehren die Reisezüge im 2 Stunden-Takt (alle 2 Stunden Eilzüge, dazwischen Regionalzüge). Dieser neue Fahrplan bringt in der frequenzärmeren Zeit Vorteile, da diese Züge auch an Wochenenden verkehren. Bedingt durch den Umstand, dass ein Großteil der Eilzüge in Fels und Grafenegg durchfahren, ergibt dies in den frequenzstarken Zeiten am Abend sogar Verschlechterungen für die Reisenden mit sich.

Hauptkritikpunkte sind vor allem: Kein Zug aus Wien zwischen 17:27 und 21:33 Uhr. Überfüllte Züge wie Z 6188 an Freitagen und Z 6192 an Werktagen. Umsteigen der Reisenden aus Richtung Tulln-Wien FJB. in Absdorf-Hippersdorf, da die Regionalzüge ab Bf. Wien Nord verkehren.

September 1993
Mit Ende September 1993 wird der Bestandplatz des Raiffeisen-Lagerhaus Absdorf gekündigt.

1. Jänner 1994
Änderung der Streckenleitungsbereiche. Der Bahnhof Fels und die H. Lst. Wagram-Grafenegg gehören ab sofort zum Bereich der Streckenleitung Wien FJB. und Bahnmeister Tulln. Der Gendarmerieposten Fels wird geschlossen, der gesamte Unfallbereich fällt in die Zuständigkeit des Posten Grafenwörth.

1993/1994
Im Winter 1993/94 wird mit der Abtragung des Lagerhaus-Silos begonnen.

Quelle: NÖLA - Eisenbahnangelegenheiten Karton F-52/2

Bahnhof Fels mit Silo
Bahnhof Fels mit Silo

2010
 Der Bahnhof Fels ohne Bahnschranken.

Bahnhof Fels, 2010
Bahnhof Fels, 2010

2014

Die Personenkassa am Bahnhof Fels wurde am 25.11.2014 geschlossen. Fahrkartenautomaten stehen zur Verfügung.

Kaiser Franz-Josef-Bahn-Gesellschaft - Flügelbahn Absdorf-Krems - Begehung 1869

Quelle: N.Ö. Landesarchiv: Signatur Eisenbahnangelegenheiten Karton F. 52/2
Abschrift, p. Statthalterei Zl. 36.419 et 1869

 

Kommissions-Protokoll.

Aufgenommen über die politische Begehung der von der k.k. priv. Kaiser-Franz-Josef-Bahn-Gesellschaft projektierten Flügelbahn von Absdorf nach Krems.

Gegenwärtig.

Die Gefertigten.

Mit dem Erlasse des hohen Handelsministerium vom 23. August Zl. 15066 wurde die politische Begehung der Flügelbahn von Absdorf nach Krems angeordnet und mit der Vornahme derselben die n.ö. Statthalterei betraut.

Nachdem das hohe k.k. Reichskriegsministerium laut des an die n.ö. Statthalterei ergangenen Erlasses vom 31. August 1869 Zl. 2306 auf die Absendung eines militärischen Abgeordneten zu dieser Kommission verzichtet hat, versammelte sich die übrigen Kommissions-Mitglieder am 25. Oktober 1869 am Stationsplatze der Kaiser-Franz-Josef-Bahn zu Absdorf.

Vor Beginn der Begehung wurde die vom hohen Handelsministerium angeordnete und von der Bahngesellschaft ausgearbeitete Verschiebung der Linie behufs Umgehung der Anhöhe bei Stockstall einer Besichtigung unterzogen, und von der Begehung derselben Umgang genommen, weil laut Beilage die in Aussicht genommene Nivellette eine günstigere Gefälls-Verteilung erst bei einer Verschiebung von circa 800 bis 1.000° (Klafter) (normal auf die Projektionslinie gemessen) gestatten, so nach der angestrebte Vorteil im Entgegenhalte zu der hieraus erfolgenden allzu großen Längenausdehnung verschwinden würde.

Es wurde sonach auf die Begehung der Projektionslinie übergegangen und über Ansuchen des Vertreters der Bahnanstalt vereinbart, unter Einem bei der Bestimmung von Objekten und Rampen auch auf die von der Bahngesellschaft im Interesse der möglichsten Schonung der von der Bahn durchgezogenen Grundstücke in Anregung gebrachter im General-Längen-Profile mit blauer Farbe angedeutete teilweise Nivelletten, Änderungen (wenn diese eine Alterierung der Objekte bedingen sollte) Rücksicht zu nehmen, um die betreffenden Bahn-Fragmente im Falle der hochortigen Genehmigung nicht nochmals begehen zu müssen.

 

27. Oktober 1869
Gemeinde Thürnthal.

In dieser Gemeindefreiheit ist herzustellen:

Prof.     100/1             Durchlass 6' lichte Weite       (1 Schuh = 30 cm)
            105/6                              4' lichte Weite
            107/8              Rampe             2°                    (1 Klafter = ca. 190 cm)
            115/16            Rampe             2°

Von dieser Rampe an der linken Bahnseite ein 9' (Schuh) breiter Parallelweg nach rückwärts bis Prof. 115 beziehungsweise bis zu dem Beginn des Großgrundbesitzers Parz. Nr. 6

Prof. 115/16 fällt die Grenze der Gemeinden Thürnthal und Fels.

Schließlich wird noch bemerkt, dass der dermalen im Prof. 112 nicht parzellierte Weg aufzulassen ist, da durch den oben erwähnten Parallelweg die Möglichkeit geboten wird, von der nächstfolgenden Rampe Prof. 115/16 auf die an der linken Bahnseite liegenden Grundstücke gelangen zu können.

Der Vertreter des im Besitze einer Aktien-Gesellschaft befindlichen Gutes Thürnthal bittet um die Errichtung einer Haltestelle zwischen Prof. 108/16 mit dem Bemerken, dass die Aktiengesellschaft daselbst eine Zuckerfabrik zu errichten beabsichtigt, welche durch ein auf ihre Kosten zu legendes Geleise mit der Bahnlinie in Verbindung gebracht werden soll, in welcher Beziehung sich mit der Bahn-Anstalt ins Einvernehmen gesetzt werden wird.

Die Errichtung einer Haltestelle wird mit Rücksicht auf die stark bevölkerten Ortschaften auch von der Gemeinde-Vorstehung unterstützt.

 

Blazo m.p. Vertreter der Aktiengesellschaft der Thürnthaler Zuckerfabrik.
Ignaz Grill-m.p. Bürgermeister,          Gotthardt Birgmayer m.p. Ortsvorstand
Ignaz Höfinger m.p.

 

 

Gemeinde Fels.

In dieser Gemeinde sind nachstehende Objekte herzustellen:

Prof. 118        Durchlass 3' lichte Weite       (ca. 90 cm)
Prof. 120/21   Rampe 3°  breit (ca. 6 m) zugleich für den Viehtrieb.
Prof. 121/17   Parallelweg 9' breit an der rechten Bahnseite von der so genannten Ochsenstrasse nach rückwärts bis Prof. 117/18 beziehungsweise bis Parz. Nr. 2575
Prof. 123         Durchlass 6' lichter Breite
Prof. 125/26   Rampe 2° breit
Prof. 126/131 Parallelweg 9' breit an der linken Bahnseite von der obgenannten Rampe bis Prof. 130/31 beziehungsweise bis zur Parz. Nr. 2871
Prof. 131/132 fällt die Grenze der Gemeinde Fels und Unterseebarn.

 

Ignaz Grill m.p. Bürgermeister
Johann Schäffer m.p. Gemeindeausschuss, Johann Gerhardt m.p. Leopold Drumler m.p.

 

Gemeinde Unter-Seebarn.

Prof. 133/4     Rampe 2°
Prof. 135         Durchlaß 3'  lichte Breite
Prof. 137/38   der bestehende Feldweg wird aufgelassen, und an der linken Bahnseite mittelst eines 9' breiten Parallelweg mit dem Feldweg Parz. Nr. 2346 verbunden.
Prof. 138/9     Rampe 2°  breit
Prof. 138/9     fällt die Grenze der Gemeinde Unterseebarn und Grafenwörth.

 

Leopold Mucker m.p. Bürgermeister
Franz Schuster m.p.                Franz Schwanzer m.p.

 

Ns: Bezüglich der von den Gemeinden Unterstockstall mit Königsbrunn und Thürnthal erbetenen Haltestellen wird bemerkt, dass die Anlage von solchen für dermal nicht nötig erscheint, jedoch bei der Austeilung der Wächterhäuser Rücksicht zu nehmen wäre, solche an den genannten Stellen zu platzieren, welche durch einen einfachen Anbau im Falle des Bedarfes vergrößert und als Personen-Aufnahmsgebäude benützt werden könnte.

Es würde sonach auch keinen Anstande unterliegen, von dem in Thürnthal in Aussicht genommen Wächterhause mittelst eines Geleises in die seinerzeit in Thürnthal zu erbauende Fabrik abzuweichen.

Subventionsansuchen zum Strassenausbau zur Haltestelle Fels im Jahre 1904

Quelle: NÖLA-St. Pölten-Landes-Registratur 1793-1904, D1-4-1900-1904 Kirchberg/Wagr. Strassenausschuß-Karton 21

N.Ö. Landes-Asschuß.

Gegenstand:

Gemeinde Fels, Bezirk Kirchberg am Wagram, um Bewilligung einer Landes-Subvention für den Ausbau des zur Haltestelle Fels führenden Weges.

Votum: Der Erledigung dieses Ansuchen müsste der Weg, in der Länge von ca. 1 km vorerst als Bezirksstraße erklärt werden. Ein diesbezüglicher Antrag des Straßen-Ausschusses auf Einbeziehung in das Netz der Bez. Straße III Ordnung zu Genehmigung und hiernach die Einbeziehung des fraglichen Weges in das Straßen-Netz der Bezirksstraßen III Ordnung zu genehmigen.
Wien am 2. März 1904

Hoher n.ö. Landesstrassenausschuß.

Durch ihre Lage war die ergebenst gefertigte Gemeinde Fels veranlasst, vom Ort zur Eisenbahn eine Straße anzulegen.
Die zwei Kilometer von Ost nach West sich hinziehende Ortschaft Fels liegt am Wagram in einer Einsenkung, circa 1 Kilometer von der Eisenbahnhaltestelle Fels entfernt, zu welcher ursprünglich über einen niederen Sattel, dann durch einen kurzen Graben, in welchen Kellerhäuser eingebaut sind, der Feldweg zur Bahn führte. 
Dieser aber war bei Tauwetter oder bei regnerischer Witterung einerseits unpassierbar, anderseits aber auch nur einen Teil der Bevölkerung zugänglich, da eine eineinhalb Kilometer lange Häuserfront dieselbe abschloss. Um diesen Weg bis in den Ort zu leiten und den ersten Teil der Straße eröffnen zu können, musste die Gemeinde einen Grundstreifen vom Hause Nr. 159 einlösen, einen Keller umlegen neue Einzäunungen herstellen etc. der zweite und dritte Teil dieses Straßenbaues machte ziemlich kostspielige Grundeinlösungen, Erdbewegungen und Schotterzufuhr notwendig, der vierte durch den Hohlweg führende und nun erst zu bauende Straßenteil, wird aber der Gemeinde am höchsten zu stehen kommen, da die Einlösung von Kellerhäusern unerlässlich ist, ferner durch die notwendige Abgrabungen und Erdbewegungen bedeutende Kosten erwachsen müssen.
Nach Überschlag kostet die ganze Strecke vom Ort Fels zur Eisenbahnhaltestelle Fels 6.000 Kronen, welche auf die noch zu bauende Teilstrecke 2.000 Kronen entfallen.
Da die Gemeinde fortwährend durch eine 43 bis 50 %ige Umlage ihre Auslagen decken muss und einen Schuldenstand von 16.000 Kronen ausweist, dieser Bau aber doch eine unbedingte Notwendigkeit für den Ort ist, welcher diese kosten kaum tragen könnte, stellt die Gemeindevorstehung die ergebenste Bitte, ein hoher n.ö. Landesausschuß wolle hierzu eine entsprechende Subvention gütigst bewilligen, umso mehr als die Straße nicht nur den Bewohnern von Fels sondern für die ganze Umgebung von großen Vorteil ist.

Fels den 14. Dezember 1903
Johann Schober-Bürgermeister
Karl Schober Gemeinderat, Johann Huber Gemeinderat, Franz Ehrendraut Gemeinderat Leopold Regelsberger Gemeinderat.

Löbl. Bezirksstrassenausschuß Kirchberg am Wagram 

Als eine der wichtigsten Angelegenheiten zur Förderung des Verkehrs muss in unserer Zeit gewiss die Herstellung und Instandhaltung frequenter Straßen angesehen werden. 
Die Gemeinde Fels sah sich aus diesen Grunde auch veranlasst, vom Ort zur Eisenbahnhaltestelle Fels eine Straße anzulegen, welche geeignet ist, den Verkehr der Gegenwart zu entsprechen, umso mehr, da sich oft Fremde über die gänzliche Unzulänglichkeit des bestandenen Feldweges, welcher bei Regen und besonders bei Tauwetter im Frühjahr beinahe unpassierbar war, beschwerten.
Es konnte diese Straße jedoch ohne bedeutende Kosten nicht hergestellt werden, denn der Straßengrund vom Ort ab musste vom Haus Nr. 159 abgetrennt werde, der Hauskeller in diesem Hause gänzlich umgebaut, eine neue 2 Meter hohe 70 Meter lange Planke errichtet, ein Preßhaus und zwei Kellervorhäuser mussten ebenfalls umgebaut werde, überdies machte die weitere Grundeinlösung, die Erdbewegung, Beschotterung und Baumpflanzung sehr bedeutende Auslagen so zwar, daß die in vier Bauperioden erbaute Straße, wie beiliegende Kostenübersicht nachweist, einen Betrag von 4.636 Gulden kostete. 
Nachdem nun diese Auslagen der Gemeinde Fels sehr schwer fallen und eine bedeutende Summe heute unbedeckt ist, da ferner die im Bezirk höchst besteuerte Gemeinde Fels mit zu den Straßenumlagen so vieles zu leisten hatte, glaubt die gefertigte Gemeindevorstehung gewiss berechtigt zu sein, daß sie die dringende Bitte stellt: Der löbl. Bezirksstrassenausschuß Kirchberg am Wagram wolle für diesen Straßenbau eine ausgiebige Subvention bewilligen. 

Gemeindevorstehung Fels den 28. Mai 1904
Johann Schober Bürgermeister
Karl Schober Gemeinderat Leopold Regelsberger Gemeinderat

 

Kostenübersicht des Strassenbaues von Fels zur Eisenbahnhaltestelle Fels.

  1. Bauperiode: Grundeinlösung vom Hause Nr. 159 in Fels, Umbau des Hauskellers Herstellung einer neuen Planke, Erdbewegung und Beschotterung 970 fl. 
  2. Bauperiode: Grundeinlösung von der Bahn bis zur Grafenwörtherstraße, Erdbewegung, Beschotterung und Baumpflanzung. 496 fl. 
  3. Bauperiode: Grundeinlösung vom Ort bis zur Kellergasse, Erdbewegung Beschotterung und Baumpflanzung. 480 fl. 
  4. Bauperiode: Grundeinlösung vom obern Anfang der Kellergasse bis zur Grafenwörtherstraße, Verlegung eines Preßhauses und zweier Kellervorhäuser Erdbewegung und Beschotterung 2.690 fl. 

Summa 4.636 fl. gleich Kronen 9.272

Johann Schober Bürgermeister

 

An den Bezirksstraßenausschuß Kirchberg am Wagram.

Die Straße von der Mitte des Ortes Fels zur Eisenbahnhaltestelle Fels ist nun ausgebaut, jedoch fehlt noch von der Einmündung in den Ort bis zum Anschluße an die durch den Ort führende Krems-Stockerauerstraße eine Strecke von circa 150 Meter Länge. Nachdem die Gemeinde Fels für diesen Straßenbau bereits einen außerordentlich hohen Geldaufwand angewendet, da ferner die Gemeinde Fels gewiss als höchst besteuerte Gemeinde des Steuerbezirks mit ihren Umlagen die meist beitragende Gemeinde ist, so wird die dringende Bitte, um Ausbau dieses letzten Kleinen Straßenteiles durch den Bezirkstrassenausschuß und Übernahme der ganzen Strecke durch denselben gestellt. 

Fels den 30. November 1904
Johann Schober Bürgermeister.
Johann Huber Gemeinderat, Karl Schober Gemeinderat, Franz Ehrendraut Gemeinderat, Leopold Regelsberger Gemeinderat. 

Bahnhof Fels, Zufahrtsstrasse, Plan von 1904
Bahnhof Fels, Zufahrtsstrasse, Plan von 1904