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Taverne Thürnthal, Parkstraße 4

Die erste urkundliche Erwähnung der Hoftaverne findet sich über einen Verkauf des Wirtshauses im Jahre 1628. Die Hoftaverne gehörte damals zum Gut und Schloss Thürnthal, dessen Besitzer Hans Andrä Freiherr von Stadl war.

" ... Verkauf von Thürnthal ao. 1628 ... Hoftaferne mit ihrem Gabäu und Schenkrecht angeschlagen auf 100 Gulden. ..." [FN1]

Ein neuerlicher Verkauf des Wirtshauses mit Schankgerechtigkeit, damals noch vom Wirt Johann Seebeck betrieben, findet sich in Urkunden aus dem Jahre 1653.

"Schatzung ao. 1653 ... Verkauf der Hft. Thürnthal und Amt Bierbaum. Würtshauß. 
dieses liegt in dem Dorff Thürntall, ist mit zwey Stuben, Cammer und Kuchel wie auch ainen gewölbten Keller erpauth, und mit Schindeln bedeckht, darzu ain khleines Gärtl gehörig, angeschlagen pr. 20 Gulden. ...
Schenckhgerechtigkeit.
in gemeldten Würtshauß hat ein irder Inhaber von Thürnthal, durch dass ganze Jahr macht zu leüthgeben, und khönnen das irzigen Würths Michael Seebeck Anzeigen nach, gar woll in die 150 Eimer außgeleüthgebt werden, auf irden Eimer 3 ß geschlagen ist 56 Gulden 2 ß der Nutzung zu 5 Procento 1.125 Gulden. ..." [FN2]

Unter Graf Wenzl Adrian Wilhelm von Enkeovirt wurde 1721 die Taverne in Rechnungen der Herrschaft Grafenegg über den Weinverkauf der Jahre 1718, 1719 und 1720 erwähnt.

"... Und 1720 Gewäx Ainhundertachtunddreyßig Emer (138) auf hiesiger Hoftaferne verleuthgebt ...
    Actum Thürnthal den 31.12.1721
    Sebastian Eder. m.p." [FN3]

Christoph Ringelhahn, Schmied aus Ebersbrunn, kaufte am 3. November 1794 um 900 Florin die Taverne der Herrschaft Thürnthal des Besitzers Edler Stanislaus von Stettner. Der neue Wirt konnte erst zu Georgi 1795 einziehen, da vorher noch für die ehemalige Wirtin eine Unterkunft besorgt werden musste. Dieser verkaufte es später an seinen Sohn Georg.

Das Schildwirtshaus, samt Gastgeb- und Schankgerechtigkeit, wurde 1848 von Georg an den Sohn Michl Ringelhan verkauft.

"... Verkaufen und übergeben die Eheleite Georg und Barbara Ringelhan ihr eigenthümlich zum Grundbuch der löbl. Herrschaft Thürnthal Grundbuch A. fol. mit 30 xr. Hausdienst dienstbares Schildwirthshaus Nr. 18 zu Thürnthal neben Leopold Leitner und Anton Auer, samt Gastgeb und Schankgerechtigkeit, und den hintern Haus befindlichen Garten, sowie das zum Hause Nr. 18 gehörige nodirte Schmidgewerbe, sowie alles mit Nagel und Band gehaftet, und mit Rain und Stein umfangen ist, an ihren Sohn Michl Ringelhan um einen beiderseits bedungenen Kaufschilling von 2.000 fl. C. M. ..." [FN4]

Der Schankbetrieb dürfte nach Besitzwechsel 1869 eingestellt worden sein. Das Haus kaufte 1871 die Thürnthaler Zuckerfabrik. Im Jahre 1900 erwarb Barbara Birgmaier das Haus, danach Ignaz Loicht und Katharina im Jahre 1935. Diese verkauften es im gleichen Jahr an das Ehepaar Franz Leuthner und Anna wo es bis dato im Familienbesitz ist.  Das Haus wurde wegen Baufälligkeit am 15. Juli 2014 abgerissen.

Quellen: [FN1] NÖLA, Sig. Alte Gülteinlagen VUMB Nr. 122.
[FN2] NÖLA, Sig. H.A. Lamberg-270/271.
[FN3] Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Signaturkarton 629, Herrschaft Grafenegg anno 1721, Wein-Büchl. 
[FN4] NÖLA, Signatur Herrschaft Thürnthal 9, 1. Grundbuch A, Folio 1390 vom Jahre 1697-1847.

Thürnthal, ehemalige Taverne
Thürnthal, ehemalige Taverne im Jahr 2012 (Bildmitte) - zweistöckiges Gebäude mit Schopfwalmdach und Zwerchgiebel. Links ist die Parkmauer mit der vermauerten Einfahrt zum Schloss Thürnthal zu sehen. [Foto: Archiv Leuthner]

Gasthaus Überacker, Wienerstraße 79

Das Gasthaus "Zur Weintraube" in Thürnthal wurde um 1910 von Michael Gneth betrieben. Im April 1912 kaufte Josef Bernhard aus Mallon die Gastwirtschaft und Krämerei von Gneth, der alles aber weiterhin betrieb. Ab dem Jahre 1918 wurde das Gasthaus und die Tabak Trafik von Karl Überacker geführt. Daneben gab es noch einen Handel mit Kleinwaren mit eigenem Eingang an der linken Seite des Gasthauses.

Quelle: Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft von 1928, Rudolf Mosse (Hg.). Adressbuch der Ostmark für Industrie, Handel, Gewerbe 1939, "Herold" Vereinigte Anzeigengesellschaft Wien (Hg.). Amtsblatt der BH Tulln. Land-Zeitung vom 4.12.1909, Land-Zeitung vom 30.04.1910, Land-Zeitung vom 27.04.1912.

Thürnthal, Gasthaus Gneth um 1910
Thürnthal, Gasthaus zur Weintraube von Michael Gneth um 1910. Der Eingang zur Gaststube war rechts. [Foto: Archiv Leuthner]

Das Gasthaus wurde 1949 vom Vater an den Sohn Karl Überacker übergeben. Im Jahre 1953 wurde der Handel mit Kleinwaren eingestellt. Der Pächter des Gasthauses ab April 1958 war Otto Zezula, und ab Oktober d. J. dann Erna Zezula, die beide vorher in Fels Wirte waren. Von Thürnthal zog sie 1967 dann nach Etsdorf und war auch dort Wirtin im Gasthaus Friedl. Das Gasthaus wurde umgebaut und der Schankbetrieb wurde dann wieder von der Familie Karl Überacker, neben dem Weinbaubetrieb, weitergeführt. Das Gasthaus wurde später geschlossen, der Weinbaubetrieb besteht weiter.

Thürnthal, Gasthaus Überacker
Thürnthal, das ehemalige Gasthaus Überacker im Jahr 2012. [Foto: Archiv Leuthner]

Weinstube Schick, Wienerstraße 81

Eröffnung einer Weinstube durch die Firma Schick & Co. KG im Oktober 1977 in der ehemaligen Hofpresse, im Schlosskeller von Thürnthal. Das Lokal wird verpachtet an Willibald Fahrthofer bis Oktober 1981 und später geschlossen. Der ehemalige Pächter zieht um nach Kirchberg und betreibt dort das Gasthaus, Marktplatz 10, bis August 1985.

Quellen: Amtsblatt der BH Tulln.

Thürnthal, Hofpresse
Thürnthal, Schlosskeller im Jahr 2009, Weinstube war im Obergeschoss. [Foto: Archiv Leuthner]