Die landwirtschaftliche Fortbildungsschule Fels 1897

Die landwirtschaftliche Fortbildungsschule war erfolgreich aber nur kurz in Betrieb, da die behördlich genehmigten Schulbeginnzeiten nicht angenommen wurden.

"… Mit 1. Jänner 1897 hat der hohe Landesschulrath die Errichtung einer landwirtschaftlichen Fortbildungsschule im Anschluß an die hiesige Volksschule bewilligt. Mit Erlaß d. löbl. Bez. Schulrathes Tulln vom 28. Dez. 1896 -Z.-3360. Selbe findet in den Monaten November, Dezember, Jänner, Februar und März eines jeden Winterhalbjahres statt u. hat Landwirtschaft, Rechnen, u. Geschäftsaufsätze als Gegenstände zu umfassen. Der Unterricht findet Dienstag und Freitag abends von 7 bis ½ 10 Uhr statt. ...

Zum Leiter dieser Schule u. für den Unterricht in der Landwirtschaft bestimmte der h. k. k. L.S.R. den Oberlehrer Peter, für Geschäftsaufsätze den Lehrer Fichtenbauer u. für Rechnen den Unterlehrer Steidl. Der Besuch dieser landw. Fortbildungsschule schwankte zwischen 33 u. 63 Theilnehmern. Die Schule fand bei den Theilnehmern und deren Eltern reges Interesse. Besucht wurde diese Schule nur von den Knaben welche das 14. Lebensjahr überschritten haben und von Burschen bis 30 Jahre alt. Für die Stunde zahlt der löbl. Bez. Schulrath den sehr geringen Betrag von 50 kr., für die Arbeit im Schulgarten u. für die Leitung dieser Schule erhalten die Lehrkräfte nichts. … Der landw. Fortbildungsunterricht endete Ende November 1897, da der löbl. Bez.Schulrath aus Moralitätsgründen befahl, diesen Unterricht um 5 Uhr statt um ½ 7 Uhr abends zu beginnen. (Es lag kein Fall vor, daß sich diese später beim nach Hause gehen unanständig benommen hätten). Die Schüler erklärten um diese Zeit nicht kommen zu können, da sie mit Arbeit noch überhäuft sind, und so schloß sich dieser für die landw. Bevölkerung sehr nutzbringende Unterricht von selbst. ...

Im August 1899 wurde der Ortsschulrath vom löbl. Bez.Schulrath befragt, warum der landw. Fortbildungscurs von niemanden besucht wurde. Der Ortsschulrath äußerte sich dahin, daß der Grund in den frühen Beginn (5 Uhr) gelegen sei. Der Unterricht könnte gehoben werden, wenn derselbe wieder abends ½ 7 Uhr, also zu einer Zeit, wo die Bauernburschen mit der Arbeit fertig wären, beginnen dürfte. Es wurde von dem löbl. Bez. Schulrathe zugelassen, daß dieser Curs wieder später beginnen könne, doch kamen auch hier keine Burschen. Unter der Bevölkerung sprachen sich Wirtschaftsbesitzer dahin aus, daß es nicht gut wäre, wenn die Burschen mehr lernen würden, da sie dann alle in die Stadt gingen, mehr Lohn verlangen würden, übrigens sie nicht mehr für die Wirtschaft zu haben wären. Im Großen und Ganzen ist man einer besseren Schulbildung nicht hold, weil hier das Verständnis für eine solche unter den Leuten mangelt zumalen die Älteren in den 70ziger Jahren eine recht mangelnde Schulbildung selbst genossen. ..."