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Arbeitseinsatz Kriegsgefangener aus Stalag XVII B

Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) XVII B Krems-Gneixendorf wurde am 26. Oktober 1939 in der Nähe des Dorfes Gneixendorf, sechs Kilometer nordöstlich von Krems, gegründet. Das Kriegsgefangenenlager war mit bis zu 66.000 Kriegsgefangenen unterschiedlichster Nationalität das größte in der "Ostmark". [FN1]

Etwa 80 Gefangene - Belgier und Franzosen - wurden vom Stalag XVII B Krems-Gneixendorf, einem Barackenlager, nach Fels zum Arbeitsdienst abkommandiert.

In den Sommermonaten 1940 wurden die ersten Kriegsgefangenen (Franzosen, Belgier) bei den Bauern zur Hilfe eingesetzt, auch polnische Landarbeiter.

Ihr Quartier hatten sie im Schloss Thürnthal. Von hier kamen sie morgens in Begleitung eines Wachpostens zu ihren Arbeitgebern - Landwirtschaft und Gewerbe. Abends war bei der Kirche Fels der Sammelplatz zum gemeinsamen Quartiergang.

Für Kost und Wäschereinigung sorgte der Arbeitgeber. Der Wachposten aß täglich in einem anderen Haus zu Mittag, um eventuell auftretende Probleme zu lösen.

Die Gefangenen hatten geregelte Arbeitszeit, sonntags frei und wurden mit Lagergeld entlohnt.

Ärztliche Betreuung hatten sie vom Fliegerregiment, stationiert in Fels.

Der Pfarrer Josef Hochmeister vermerkt in der Pfarrchronik von 1942 über den Arbeitseinsatz:

"Eine große Beihilfe in der Wirtschaft waren die Gefangenen Belgier und Franzosen, die den Bauern als Arbeitskräfte zugeteilt wurden und sich im großen und ganzen gut bewährt haben. Ohne ihre Beihilfe hätte manches Haus nicht gewusst, wie mit der Arbeit fertig zu werden. Unter ihnen befand sich auch ein französischer Abbe, der im Lager zu Thürnthal (Schloß) wo sie einquartiert waren und in den umliegenden Ortschaften an Sonntagen die Hl. Messe gelesen und zu diesen Zwecke von der Pfarrkirche Fels mit dem notwendigsten versehen worden. Er hat einen guten Eindruck gemacht, und habe ich ihn an hohen Feiertagen zu Tisch geladen. Auch Polen und Ukrainer wurden den hiesigen Leuten zur Arbeit zugewiesen."

Und auch 1944 berichtet die Pfarrchronik über den Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter in der Landwirtschaft:

"... Alle männlichen Wesen von 17 bis 50 Jahren sind zum Arbeitsdienst oder zum Militär eingezogen. Die ganze Last der Arbeit ruht auf den Frauen und Mädchen oder an den Kriegsgefangenen und den ausländischen Arbeitern, Polen, Ukrainern die zu Hilfe kommen. Was natürlich auch sittlich Gefahren mit sich bringt, nicht blos für die ausländischen weiblichen Arbeitskräfte, sondern auch für die Haustöchter. ..."

Wie drückend die Last der Arbeit für die Bauersfrauen war, zeigt auch die folgende Geschichte. Eine Frau, deren Mann zum Kriegsdienst eingezogen worden war, ging zum Kommandanten des Fliegerhorstes Fels und forderte Unterstützung bei der Arbeit im Weingarten mit den Worten: "Sagen Sie Ihrem Herrn Hitler, er soll mir meinen Mann zurückgeben, ich brauche ihn zum Weingartenspritzen." Sie hatte Glück, wurde nicht verhaftet und bekam am nächsten Tag zwei Soldaten zur Unterstützung.

Mit dem Herannahen der Roten Armee begann Anfang April 1945 die beinahe dreiwöchige Evakuierung aller gehfähigen Kriegsgefangenen aus Krems-Gneixendorf in das rund 300 Kilometer entfernte Auffanglager Weilhartforst bei Braunau. Das Stalag XVII B selbst wurde am 9. Mai 1945 durch Einheiten der Roten Armee befreit und diente nach der Repatriierung der letzten Lagerinsassen vorübergehend als Quartier für sowjetische Besatzungssoldaten. Bald darauf wurden die Baracken abgerissen, und das ehemalige Lagerareal wurde dem Erdboden gleichgemacht. [FN2]

Quellen: Pfarrchronik Fels; Schulchronik Fels;
[FN1] Barbara Stelzl-Marx (Hg.) (2003), Unter den Verschollenen, Seite 16ff.;
[FN2] Barbara Stelzl-Marx (2000), Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft, Seite 96ff.

Fels, Kriegsgefangene Belgier beim Ernteeinsatz mit Traktor Lanz Bulldog um 1940.