Pfarre Fels am Wagram

Kirche Fels am Wagram
Kirche Fels am Wagram, Hl. Margaretha, Neubau von Johann Petermair 1963 unter Beibehaltung got. Teile [Foto: Archiv Leuthner]

Missionierung durch Stift Passau

Die kirchliche Organisation in Niederösterreich erfolgte in den Jahren zwischen 1014 und 1058. An der Missionierung in diesem Land hatten seit dem 9. Jahrhundert die Hochstifte Salzburg und Passau besonderen Anteil.

Während Salzburg sein besonderes Augenmerk auf den Süden des Landes legte, konzentrierte sich Passau auf das Donautal und die anschließenden Territorien bis nach Wien. Die kriegerischen Ereignisse des 10. Jahrhunderts dürften die Anfangserfolge aber sehr beschnitten haben.

Am 5. Juli 1014 schenkte Heinrich II. auf die Bitte Bischof Benegars dem Bistum Passau je eine Königshufe zur Errichtung einer Kirche und eines Priesterhauses in den Ortschaften Herzogenburg, Krems, Sigesmaresweret [abgekommene Ortschaft in der Nähe von Altenwörth], Tulln und Otcinesseuue [abgekommene Ortschaft in der Nähe von Perzendorf]. Die Kirche von Sigmarswert wurde im 11. Jahrhundert nach dem vor Überschwemmungen sicheren Kirchberg am Wagram verlegt. Das Kollaturverzeichnis des Lonsdorfer Kodex bezeichnete Kirchberg auch als "St. Stephan super Wagrain". Nun, diese fünf Pfarren sollten zu den Mutterpfarren des Viertels ober dem Wienerwald werden.

Der Wunsch war hier, auf Passauer Gütern die Pfarrkirche mit Priestern ihres Vertrauens zu besetzen, gab es doch damals noch keine einheitlichen Richtlinien für die Ausbildung von Geistlichen und außerdem war eine intensive Überwachung angesichts der Diözesengröße und der Verkehrsverhältnisse nur sehr schwer möglich.

Den niederösterreichischen Teil der Passauer Diözese verwaltete seit 1315 ein Generalvikar, Offizial genannt, der seinen Sitz zu Wien am Passauerhof (bei der Kirche Maria am Gestade) hatte.

Quellen: Feigl Helmut, Zur Entstehung des Pfarrnetzes in Österreich unter der Enns im Zeitalter der Babenberger, Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich Neue Folge 42 (1976). Roland Maruna, Hadersdorf-Weidlingau, 1998, Seite 47.

Pfarre Fels als Filiale von Kirchberg am Wagram

Die Pfarre Fels wurde urkundlich erwähnt vor 1590 und war früher Filiale von Kirchberg am Wagram (DEHIO, 1990).
Aus anderen Quellen können wir dazu Folgendes berichten.

Die erste geschichtliche Erwähnung des Ortes Fels reicht in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. In einer Urkunde der im Jahre 1158 gestifteten Schottenabtei in Wien werden zwei Lehen in "Uelze" aufgezählt. Im Pfarrverzeichnis, das Bischof Otto von Lohndorf um 1260 anlegen ließ, ist bereits die Pfarre "Veltze" verzeichnet. 

Die Pfarrkirche von Fels am Wagram war von alters her der Hl. Margaretha geweiht, was auf eine slawische Ansiedlung hindeutet. In alten Aufzeichnungen, wie zum Beispiel den Kirchenrechnungen, findet man immer wieder die Bezeichnung "St. Margarethen Gottshaus am Ufer in Fels". 

Die in Fels am Wagram bereits im 14. Jhd. urkundlich nachweisbare Kapelle kam 1349 durch Widmung an das oberösterreichische Frauenkloster und Spital Pulgarn bei Steyregg. Das verglich sich 1498 mit dem Kapitel des Bistums Passau, als Patron der Pfarre Kirchberg am Wagram. Dabei wurde das Verhältnis zwischen der Kapelle zu Fels und der Mutterpfarre Kirchberg am Wagram geregelt. Im 15. und 16. Jhd. wurde die Seelsorge in Fels durch Vicare, die auch zugleich oft die Seelsorger in dem benachbarten Ort Feuersbrunn waren, versehen und die aller Wahrscheinlichkeit nach in Fels residierten.

Die Kirche stand bis 1785 unter dem Patronat des Domkapitels von Passau und kam dann an das Dekanat Hadersdorf.

Pfarrer in Fels ab 1615

JahrNameFunktiongeborengestorben
1615Mathias FrueaufVicar in Fels  
1631Georg PraunsteinerVicar in Fels  
1636Georgius HeßlingVicar in Fels  
1647Laurenzius KhützingerVicar in Fels  
1651Franciscus StauberVicar in Fels  
1654Carolus HeydtVicar in Fels  
1655Dr. Johann SchützVicar in Fels  
1662Mag. Gottfried Hartman 163421.2.1712 in Fels, begraben in der Kirche
1712Johann Phillip PichlerVicar in Fels  
1717Laurentius RackingerVicar in Fels166613.2.1725 in Fels, begraben in der Kirche
1725Sebastian NuckVicar in Fels168928.8.1747 in Fels
1747Michael NeupauerVicar in Fels170024.3.1752 in Fels
1752Georg GradingerVicar in Fels 22.2.1788 in Kirchberg
1768Johann Baptist SchoberVicar in Fels1786 nach Zwentendorf 
1775Franz ReineltVicar in Fels171026.3.1786 in Fels
1787Leopold KorberPfarrer in Fels17503.4.1796 in Fels
1796Ignaz ScheigerPfarrer in Fels1771 in Wien19.8.1835 in Kirchberg
1799Josef SauerPfarrer in Fels  
1814Franz LidmanskyPfarrer in FelsNeuhaus/Böhmen25.7.1851 in Hadersdorf
1824Franz SobuchPfarrer in Fels  
1833Karl AdametzPfarrer in Fels1790 in Niederleis23.4.1863 in Fels
1862Peter OttPfarrer in Fels1823 Neumarkt/Böhmen30.12.1887 in Etsdorf
1881Franz RichterPfarrer in Fels nach Straning
1891Franz Xaver LindnerPfarrer in Fels nach Wien XVI
1911Franz ZeibertPfarrer in Fels1.11.186622.2.1926 in Fels
1926August KarglPfarrer in Fels nach Wien XII
1929Josef HochmeisterPfarrer in Fels187416.6.1950 in Fels
1950Karl VockPfarrer in Fels6.1.1914 in Etsdorf5.5.1971 in Etsdorf
1971Walter SchmidPfarrer in Fels  
1977Josef MohrPfarrer in Fels  
1980Fritz ZimmerlPfarrer in Fels  
1997Mag. Michael SeitzPfarrer in Fels4.10.1956 Neuruppersdorf 
2001Reinhold SchleiderPfarrer in Fels 2005/2006 in Pension, gest. Oktober 2011
2006Mag. Jan JagodzinskiPfarrer in Fels  Sept 2017 in Pension
2017Mag. Martin MüllerPfarrer in Felsseit 1.Sept 2017 in Fels

Anmerkungen: 

In der Kirchenrechnung der Pfarre Fels vom Jahre 1660 steht bei der Unterschrift von Pfarrer Johann Schütz, Theologie "Licentiat": Auf Hochschulen ein solcher, welcher sich die Erlaubnis erworben hat, Doktor zu werden, und bis dahin die Rechte eines Doktors genießt. Ab 1661 unterschreibt er mit Doktor der Theologie.

In der Pfarre Feuersbrunn Band I, anno 1663 findet man auf Seite 1 die Eintragung Gottfried Hartmann Pil. Magistro und Th. Baccalaurens.

Franz Lidmansky war ab 7. Juli 1824 Pfarrer in Feuersbrunn, gebürtig zu Neuhaus in Böhmen im Tabor Kreis, wurde als Pfarrer zu Hadersdorf/Kamp den 15. Okt. 1845 invertiert und starb daselbst den 25. Juli 1851.

Pfarrer von Fels gebürtig

Balthasar Paschinger, geb. 1.1.1729 in Fels, Studium der Theologie in Graz, Priester in Temeswar im Banat, von Bischof Engl von Wagrain zum Konsistorialrat ernannt, 1756 bis 1766 Priester in Guttenbrunn und Neuarad (Banat) im Alter von 65 Jahren in Lippa (rumänisches Banat) 1795 gestorben.
Geburtshaus: Untere Marktstrasse 17

Leopold Pichler, Pfarrer in Feuersbrunn anno 1744, von Fels gebürtig (geb. 1714) alda gestorben und begraben worden den 7. Sept. 1760 im Alter von 46 Jahren, hat den Pfarrkeller in (Feuersbrunn) gegraben und den Graßgarten mit Obstbäumen besetzt.
Geburtshaus: Obere Marktstrasse 16

Antonius Schlagenhaufen, Pfarrer in Feuersbrunn, anno 1778, von Fels gebürtig, (geb. 1748).
Starb am 2. Jänner 1788 mit 40 Jahren, Anton Schlagenhaufen feierte am 21.6.1772 seine Primiz in Kirchberg/Wagram.
Geburtshaus: St. Urbanstrasse 26

Johann Schabel, geb. ca. 1765 in Fels, tritt am 15.12.1811 sein Amt als Pfarrer in Hohenwart an.
Er war vom 6.10.1793 bis 5.7.1795 als Kooperator u. Provisor in Hohenwarth, danach 16 Jahre Pfarrer in Ruppersthal, am 4. Mai 1820 kam er als Pfarrer und Dechant nach Baden, wo er den 16. März 1834 im Alter von 69 Jahren stirbt.
Geburtshaus: Wienerstrasse 30

Franz Anton Joseph Paul Engl, geb. 25.1.1702, Sohn des Franz Georg Graf Engl (gest. 17.1.1721) war Dechant und Pfarrer zu Hadersdorf/Kamp und 1733 Bischof von Belgrad und Semandria.
Von da von den Türken vertrieben, fand er in dem Bistum Csanad eine reichliche Entschädigung. (1751-Theresianische-Fassion, war er Besitzer vom Gut Fels) Schon zu Lebzeiten (er starb am 9.1.1777) hatte er sein väterliches Erbteil, das Gut Fels, dem einzigen Sohne seines älteren Bruders Franz Friedrich Thomas überlassen.
Geburtshaus: Schloss Fels

Joseph Tröthann um 1779 in Fels geboren, gestorben am 26.4.1809. Vom 21.10.1803 bis 7.8.1805 Kooperator in Hohenwarth, geht danach nach Wien in die Pfarre Lichtenthal und kommt im Dezember 1808 nach Hohenwarth zurück wo er am 26.4.1809 mit 30 Jahren stirbt.
Geburtshaus: Untere Marktstrasse 6

Literaturnachweis: Pfarrmatriken Feuersbrunn und Fels, Pfarrgedenkbuch Feuersbrunn, Diözesan-Archiv Wien, Schulchronik Fels, NÖLA-Kirchenfassion von Fels. Recherchiert, übertragen und zusammengestellt von Ludwig Leuthner, 2002.

Zeittafel der Pfarre Fels ab 1548

Am 14.7.1548 erhält Christoph von Trenbach das Benefizium Fels.

1615    Mathias Frueauf, Vicar in Fels.

1631    Georg Praunsteiner, Vicar in Fels.

1636    Georg Heßling, Vicar in Fels.

1647    Laurentius Khützinger, Vicar in Fels.

1648    Beginn der Kirchenrechnungen.

1648    zu St. Sebastian, Prozession nach Engabrunn.

1651    Franciscus Stauber, Vicar in Fels.

1650    Die Kirche besitzt bereits 3 Glocken.

1653    Carolus Heydt, Vicar in Fels.

1655    Johann Schütz, Vicar in Fels, ab 1660 Dr. der Theologie.

1662    Gottfried Hartmann, Vicar in Fels, Phil. Magistro und Baccalaureus d. Theol.

1662    im Mai 1662 Beginn der Pfarrmatrik von Fels.

1697    zur Erbauung des Turms 200 Gulden ausgeliehen.

1712    Gottfried Hartmann stirbt am 21.2.1712, und wird in der Kirche begraben, er vererbt der Kirche Fels 1.023 Gulden.

1725    Lorenz Rackinger, Vicar in Fels, wird am 23.3.1725 in der Kirche begraben.

1729    Franz Anton Graf von Engl, Bischof von Csanad kauft die Hft. Fels von seinem Bruder.

1733    Neues Kirchendach mit 32.000 Schindeln eingedeckt.

1739    10. März, Kirche, Pfarrhof sowie 95 Häuser abgebrannt, 4 Kinder und eine Frau umgekommen, ...mihselig verbrunnen...

1765    Errichtung eines Seitenaltars.

1766    der Maler Martin Schmidt erhält für ein Altarblatt (Johann Nepomuk-Altar) 20 Gulden.

1771    Errichtung eines Pfeilers bei der Friedhofmauer (heutige Kirchenmauer) ebenso 1774.

1780    Kirche wird renoviert.

1781    der Maler Martin Schmidt erhält für das Altarblatt a Conto 50 Gulden.

1782    der Maler Martin Schmidt erhält die noch ausständigen 100 Gulden für das Altarbild.

1787    Für die Errichtung des neuen Friedhof, erhält der Maurermeister Peter Weiger 200 Gulden.

1789    am 3. Februar den neuen Friedhof von Hr. Pfarrer Korber eingeweiht.

1789    am 6. Februar erstes Begräbnis im neuen Friedhof.

1794    dem Orgelmacher von St. Pölten 264 Gulden.

1795    dem Orgelmacher von St. Pölten 148 Gulden.

1806    vorhandene Silber und Kelch im Hauptmünzamt abgeliefert.

1810    Ablieferung des Kirchensilber in Wien.

1810    das Innere des Turms samt Kuppel in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1810 abgebrannt. 4 Glocken sind dabei zerschmolzen (zerbrochen), sie wurden aber auf Kosten der Gemeinde wieder hergestellt, es sind also gegenwärtig 5 Glocken vorhanden, und im Eigentum der Gemeinde.

1836    am 30. Oktober ist um 2 Uhr früh das Schulhaus abgebrannt.

1848    wurde der Friedhof um 230 Quadratklafter erweitert, und am 4. August eingeweiht.

1860    Pfarrkirche restauriert und gemalt.

1866    im März wird das Pfarrhaus abgetragen.

1884    im Oktober eine Glocke im Gewicht von 400 kg. vom Glockengießer Gölsner aus Simmering erhalten.

1884    23.12.  Orgel von Max Zachistal aus Krems (10 Register).

1892    Errichtung eines neuen Pfarrhofes.

1895    Turmuhr von Heinrich Zavouk in Krems.

1896    4.6. Feierliche Einweihung der Kapelle am Ortsanfang.

1897    10.7. um ½ 5 Presshaus eingestürzt.

1905    am 11. Juni Weihe der Fahne des hiesigen Milit. Vet .Verein, Fahnenpatin war die Gemahlin des Erzherzog Franz Ferdinand, Fürstin Sofie Hohenberg.

1917    3 Glocken und die 4. am 4. Aug. 1917, für militärische Zwecke abgenommen. Da die Glocken Eigentum der Gemeinde sind, wurde der Vergütungsbetrag dieser übergeben, Vergütungsbetrag war 4 Kronen pro kg.

1918    Kriegsende, 44 Gefallene und 10 Vermisste, in Fels und Thürnthal.

1921    20.3. Glockenweihe, 4 neue Glocken wurden eingeweiht, von der Fa. Krupp-Berndorf.

1923    am 27. Mai Kriegerdenkmalweihe.

1927    am 16. und 17. Oktober Markterhebungsfeier.

1936    am 9.3. wurde mit dem Abbruch des Pfarrhofes begonnen, Aufbaubeginn 31.3.1936.

1942    am 24. 1. wurden 3 Glocken vom Turm abgenommen für Kriegszwecke.

1948    31.10. Glockenweihe, 4 neue Glocken wurden  eingeweiht, von der Firma Pfunder um 36.099 Schilling, Patinnen: Fr. Marie Obenaus, Fr. Anna Bayer, Fr. Juliane Kraft und Fr. Marie Schober.

1955    der baufällige spitze Helm des Kirchturms wurde abgetragen und ein steiles Keildach mit Ziegeldeckung errichtet (Kirche Arnsdorf-Wachau).

1957    das Kriegerdenkmal wurde erweitert, 71 Gefallene und 47 Vermisste vom II. Weltkrieg.

1959    am 25.10. Einweihung der hl. Margaretha-Statue vor dem Pfarrhof.

1962    am Sonntag den 5. August, war der letzte Gottesdienst, und am 6. August, Beginn der Abbrucharbeiten, unmittelbarer Anlass für den Umbau und Vergrößerung war die Baufälligkeit der alten Kirche.

1963    am 25.8.1963 Grundsteinlegung für die neue Kirche.

1965    Fertigstellung der Kirche und Einweihung am 25.7.1965.

1968    ab diesem Jahr gibt es ein elektrisches Geläute.

1977    Errichtung einer Leichenhalle anstelle der alten Volksschule (Erbaut 1872) erste Aufbahrung war Altbürgermeister Karl Mayer.

1979    Der Friedhof wurde von der Gemeinde übernommen.

Anmerkung: 50 Gulden entsprechen ungefähr 1000 Euro.

Literaturnachweis: Pfarrmatriken Feuersbrunn und Fels, Pfarrgedenkbuch Feuersbrunn, Diözesan-Archiv Wien, Schulchronik Fels, NÖLA-Kirchenfassion von Fels. Recherchiert, übertragen und zusammengestellt von Ludwig Leuthner, 2002.