Erster Detektor-Empfänger montiert

Die Schulchronik Gösing berichtet, dass am 29.12.1925 von Lehrer Eduard Steininger der erste Detektor montiert wurde im Haus Nr. 62.

Was war ein Detektor?

Nun, in der Anfangszeit des Rundfunks wurden "Detektoren" zum Empfang von Rundfunksendern auf Mittelwelle eingesetzt. Der Detektor ermöglichte normalerweise Kopfhörer-Empfang. Die Reichweite war oft auf den nächsten Rundfunk-Sender beschränkt. Der Detektor bezieht seine komplette Energie aus dem Sender-Signal. Eine zusätzliche Spannnungs-Versorgung war nicht erforderlich. [FN1]

Wie sah ein Detektor aus?

Eine Abbildung eines Detektor-Empfängers aus 1924  findet man in der verlinkten Seite ganz unten. [FN2] 

Radio
Radio, Werbung in einer Tageszeitung 1925

Wann begannen die ersten Radiosendungen in Österreich?

Am 7. September 1924, an dem die Wiener Herbstmesse eröffnet wurde, begann die RAVAG mit einem mehrstündigen täglichen Musik- und Vortragsprogramm. Am 1. Oktober 1924 nahm die RAVAG schließlich den regulären, täglichen Sendebetrieb auf "Welle 530" auf. Eigentlich waren es 531 m (= 565 kHz). Der Erfolg war sensationell. Trotz der geringen Sendeleistung von 350 Watt stieg die angemeldete Teilnehmerzahl innerhalb von nur 4 Monaten von 11.000 auf über 100.000 an. Wien gehörte damals allerdings mit beinahe 2 Millionen Einwohnern zu den 10 größten Städten der Welt. Im Weihnachtsgeschäft 1924 waren Kopfhörer der große Renner und wurden zur teuren Mangelware. Die Sendeleistung wurde auf 700 Watt verdoppelt und in Graz, der Heimatstadt des Radiochefs Oskar Czeija, wurden die Arbeiten zur Errichtung eines Senders aufgenommen, der am 30. März 1925 in Betrieb ging. Auch für Klagenfurt und Innsbruck wurden Sender bestellt.

1924 kann in ganz Europa als das Geburtsjahr des Rundfunks angesehen werden. Innerhalb dieses Jahres stieg die Anzahl der Stationen von 17 auf 54. [FN2]

Nicht alle Leute konnten sich einen Apparat leisten und so ging man dorthin wo man die Sendungen hören konnte. Die Zeitung "Neue Freie Presse" eröffnete am 27. Oktober 1924 beispielsweise ihren "Radio-Salon" in Wien, Wollzeile 16. Dort konnte man bei freiem Eintritt sowohl Wiener Radio-Programme hören als auch Auslands-Sendungen, verbunden mit einer Vorführung der Apparate durch das Beleuchtungshaus Walter.

Welche Sendungen konnte Eduard Steininger am 29. Dezember 1925 im Radio hören?

Die Zeitungen begannen im November 1924 das Radio-Programm für die Leser im Anzeigenteil abzudrucken. Hier nun die Sendungen vom 29. und 30. Dezember 1925 für die Hörer von Radio Wien, der Ravag, auf "Welle 530".

 Wiener Radio-Programm, Dienstag den 29. Dezember:
9 Uhr früh: Marktberichte.
11 Uhr: Vormittagsmusik.
15.30 Uhr: Schlusskurse der Wiener Börse.
16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. Internationale Meister der Tonkunst.
17.50 Uhr: Die Stunde der Frau. Silvesterspeisen.
18.25 Uhr: Radiovolkshochschule. Die neue Türkei.
19.10 Uhr: Französischer Sprachkurs.
19.40 Uhr: Englischer Sprachkurs für Fortgeschrittene.
20.15 Uhr: Lagerlöf-Abend.

 Wiener Radio-Programm, Mittwoch den 30. Dezember:
9 Uhr früh: Marktberichte
15.30 Uhr: Schlusskurse der Wiener Börse
16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. Die Oper von Verdi.
17.50 Uhr: Radiovolkshochschule. Wintersport in Kärnten.
18.25 Uhr: Rückkopplungsstörungen. Ihr Wesen und ihre Vermeidung. Prof. Dr. G. Schwaiger, techn. Direktor der Ravag.
19 Uhr: Musikkurs. Musikalische Formenlehre.
20 Uhr: Der Fliegende Holländer. Oper. [FN3]

Quellen: Schulchronik Gösing, [FN1] www.oldradioworld.de/gollum/historie.ht ,
[FN2] http://members.aon.at/wabweb/index.htm  - Walter Brummer, Sattledt,
 [FN3] Neue Freie Presse, 29. Dezember 1925, Nr. 22015, Seite 16.