Funde in Gösing

Die Schulchronik von Gösing am Wagram wurde im Jahre 1879/80 von Schulleiter Karl Wiglitz begonnen. Mit Schließung der Schule am 20. August 1970 endet auch die Schulchronik.

In dieser Chronik werden auch Bodenfunde aus Gösing  und Umgebung erwähnt die bis in die Eiszeit zurückreichen. Die Textstellen der vermerkten Funde wurden aus der Schulchronik von Prof. Gottfried Mayer aus Olbersdorf übertragen und von Leuthner Ludwig aus Fels ergänzt.

1925 Bericht über "Zwei Aurignacstationen in der Gegend von Gösing in NÖ" von J. Bayer-Wien. Der Bericht ist ein Sonderabdruck aus dem Werke "Die Eiszeit", Zeitschrift für allgemeine Eiszeitforschung II. Band 2. Jg. Leipzig 1925 (Quelle: Schulchronik Seite 61 - 71).

15.3.1926 Vorgeschichtlicher Fund. Gelegentlich der in dieser Woche im "Engeltal" begonnenen Straßenbauarbeiten fand ein Arbeiter im Diluvialschotter in einer Tiefe von 2m ein Stück Mammutknochen und einen fossilen Röhrenknochen.

4.5.1926 Grenzgang. Nach einem alten Bauernbrauche, wurde am 4. Mai 1926 ein Grenzgang um die Freiheit Gösing  unternommen und hiezu der Lehrkörper und die Schulkinder eingeladen. Den Gang führten die Herrn Johann Holzer und Anton Ebeseder, die schon 1891 mitgetan hatten. An Interessantem waren zu sehen: 3 Stück "Zehentsteine" in der Ried "Goldberg-Bodenleithen" mit der J Z 1687, auf der einen Seite der Stiftsname "Göttweig" auf der andern die Bezeichnung "C Neuburg". Ferner der "Fünfeckige Stein" im Roßkopf. Ein massives fünfseitiges Prisma aus Sandstein über 1m hoch, das neben der J Z 1678 (bei Straß) die Namen der Orte: Gösing, Feuersbrunn, Engabrunn, Etsdorf und Straß trägt (Quelle: Schulchronik fol 26).

19.1.1929 Skelettfunde. Gelegentlich von Grabungen für eine Kelleranlage legte der hiesige Hauer Leopold Klimpfinger wenige Schritte hinter seinem Hause Gösing 46 (heute Hauptstraße 46), vier ziemlich gut erhaltene menschliche Skelette blos. Beigaben wurden nicht vorgefunden. Vermutlich Pestgrube aus dem 17.Jahrhundert

9.1.1930 Skelettfund. Der hiesige Wirtschaftsbesitzer Franz Baier legte gelegentlich der Rigolarbeit in seinem Weingarten in der Ried "Hofacker" in einer Tiefe von ungefähr 50 cm ein menschl. Skelett blos, bei dem ein neolithisches Steinwerkzeug, ein sg. "Schuhleisten-Keil" lag, dem Bezirksmuseum übergeben.

22.4.1931 Urnenfund. Gelegentlich des Ackerns auf der dem hiesigen Wirtschaftsbesitzer Anton Holzer gehörigen Parzelle in der Riede "Gonaus" (Ostende des Ortsbereiches) stieß der Pflug an eine Urne von ungefähr 70cm Durchmesser, die durch den Anprall leider in Trümmer ging - auf der Drehscheibe hergestellt. Wurde im Lehrmittelzimmer der Schule hinterlegt. Anmerkung: Der Fund ist heute im Heimatmuseum Fels zu besichtigen.

11.12.1932 Vorgeschichtlicher Fund. … stieß der hiesige Hauer Josef Kloner beim Abgraben einer zirka 4 m hohen Lößwand auf gewaltige vorgeschichtliche Tierknochen ungefähr 100 m westlich von der "Seidl Kapelle" im sg. "Pfundberggraben". Der zur Stelle gerufene Oberlehrer Robert Löffler fand bei weitere Grabung große Anzahl von Knochen vom Mammut, der schwerste wog 21 kg.

Im Einvernehmen mit Herrn Karl Wallner in Wagram, genannt der "Wallnervetter", wurde das Bundesdenkmalamt verständigt, das zwei Herrn entsandte, die den Fund als sehr interessant bezeichneten und dessen Überstellung in das Wiener Universitätsinstitut verfügten [Schulchronik fol 48].

23.4.1935 Vorgeschichtlicher Fund. Beim Ausheben einer "Silo-Grube" in der Nähe der Scheune stieß der hiesige Wirtschaftsbesitzer Anton Rosenberger (Haus Nr. 63, heute Florianistraße 22) in einer Tiefe von 1.20m auf Menschenknochen, in deren Nähe (70cm) im Löß eingebettet, ein schüsselförmiges Gefäß lag.

Der herbeigerufene Heimatforscher Karl Wallner aus Feuersbrunn, im Volksmunde der "Wallnervetter" genannt, legte nach sorgfältiger Grabung den gut erhaltenen Kopf des Skelettes frei. Der Fund wurde an Ort und Stelle von Oberlehrer Robert Löffler photographiert.

Im Lauf des Nachmittags erschien der Kustos des Tullner Heimatmuseums, Dr. Rudolf Friedl, der den interessanten Fund als bronzezeitlich und der "Aunjititzer" Kulturstufe zugehörig erkannte. Schon waren die Gegenstände verpackt, als der Knecht des Wirtschaftsbesitzers zufällig auf einen zweiten Schädel stieß. Die Lage desselben und das Fehlen des Unterkiefers ließ schließen, daß dieser Kopf schon einmal ans Tageslicht gekommen sein mußte, zumal an  der Fundstelle ehedem der Weingarten war. Somit könnte dieser zweite Fund nur mit einem Mord, einem oder einer Seuche in Verbindung gebracht werden hat ja die Pest einst in Gösing einigemale heftig gewütet, was zahlreiche Skelettfunde um die Pestsäulen bzw. Marterln beweisen (Quelle: Schulchronik fol 77).

Am selben Tage spendete Herr Rosenberger nachfolgende Museumsgegenstände:
Ein ovales, 7cm hohe, in Glas und Rahmen gefasstes Ölbildchen, darstellend den österr. Hauptmann Rosenberger, einem Ahnen des derzeitigen Besitzers, in der Uniform des vormärzlichen Offiziers. Ferner eine kunstvoll mit Eisen beschlagene, kleine Truhe mit interessantem Schloß, einstens Regimentskassa zu Krems, von dem oben erwähnten Hauptmann einst nach Gösing gebracht. Dann ein bemaltes Glasbild darstellend Gott, den Vater, der den gekreuzigten Sohn in Händen hält, ein schönes Stück sogenannter Bauernmalerei (Ölfarbe direkt auf Glas aufgetragen). Anmerkung: Der Fund ist heute im Museum Tulln zu besichtigen.

3.2.1949 Mammutfund. Beim Graben eines Kellers in der Ortsried "Wölfel" stieß der Weinhauer Anton Eismayer beim Eingang in den "Satzgraben" unter dem Weinkeller der Wirtschaftsbesitzerin Theresia Heiß auf Überreste eines Mammuts und übergab den ersten Fund, ein kolossales Schulterstück, dem Schulleiter Oberlehrer Löffler. Das Ereignis gab Anlaß zu einem Lehrausgang der Schüler, wo im Zuge der weiteren Grabung zwei Mahlzähne in der Größe eines halben Brotlaibes, zwei Eckzähne Rippen zerfielen bei der Bergung. Weitere Funde an der Stelle, ein Feuermesser, wahrscheinlich aus der Zeit der Aurignacien- Kultur stammen (Venus von Willendorf stammt aus der selben Periode) hinterlegt in der Lehrmittelsammlung der Schule, (Quelles: Schulchronik fol 122).
Anmerkung: Der Fund ist heute im Heimatmuseum Fels zu besichtigen.

22.9.1949 Vorgeschichtlicher Fund. Gelegentlich einer Wanderung des Geologen Oberlehrer Ludwig Piffl mit Oberlehrer Robert Löffler in der Waldried "Roßkopf" wurde im Sande des Konglomeratblockes "Predigtstuhl" (Kote 350) ein 22cm langer und 5cm starker Röhrenknochen (Säugetier) gefunden, den die Ur-Donau dort angeschwemmt hatte.

3.3.1953 Prähistorischer Fund am 14.1.1953. Bei Einwölbungsarbeiten im Keller des Herrn Stöcklecker Eduard ("Rassing", Grundstück Nr. 39) wurde ein Knochenstück im Löß gefunden. Dr. Manura vom NÖ Landesmuseum stellte fest, daß es sich um ein Geweihbruchstück eines Hirschen handelte. Das Bruchstück gehört der Würmeiszeit an. Das Geweihstück wurde von Oberlehrer Scheithauer präpariert und wird im Schaukasten der Schule ausgestellt werden.
Anmerkung: Der Fund ist heute im Heimatmuseum Fels zu besichtigen.

20.5.1953 Jungsteinzeitlicher Fund. Am 17.2.1953 wurden beim Graben auf dem Grundstück der Frau Holzer am Ortseingang Kohlenreste, Knochen und Topfscherben gefunden.

21.6.1954 Urgeschichtliche Funde. Im Hause des Herrn Palk Robert, Gösing Nr. 63 (heute Florianistrasse 22), ein Töpfchen aus hellbraunem Ton gefunden.

2.3.1954 Mammutzahn. Bei Vergrößerung des Kellers des Herrn Anton Söllner, Gösing Nr.54 (heute Hauptstraße 34), in der Ried "Fumberg" ein Bruchstück eines Bruchzahnes eines jungeiszeitlichen Mammuts gefunden.

3.3.1954 Neolithisches Steinbeil. Am 3.3.1954 erhielt Oberlehrer Scheithauer, von Herrn Obritzberger Franz ein neolithisches Steinbeil, welches er vor Jahren in einem Weingarten gefunden hatte. Es ist sorgfältig geschliffen aus Grünstein.
Der Kustos des nö. Landesmuseums hat die Funde bestimmt. Sie liegen in der Schulsammlung auf (Quelle: Schulchronik Seite 9).
Anmerkung: Der Fund ist heute im Heimatmuseum Fels zu besichtigen.
(Quelle: Schulchronik 1957, Seite 22) - ferner hält Dr. Much aus Wien (dessen Vater Sebastian Much von 1817 bis 1840 Schullehrer in Gösing war) Gösing, wenn schon nicht als quadische Gründung, doch als quadische Ansiedelung (Bl. f. Landeskunde 1875, Seite 270).  Am Rand der Seite ist die Anmerkung: "Archeologisches."

Die Funde die ich hier gemacht, bestätigen diese Ansicht. Auf der sogenannten Burg finden sich prähistorische Gefäßscherben und Aschenschichten. Eine mächtige Aschenschichte mit zahlreichen Gefäßresten, vielleicht eine Herd- oder Opferstätte fand sich in der "oberen Zeile" rückwärts der Häuser No.69-71; dann rückwärts im Hofe des Hauses 22 (heute Untere Zeile 21) der "unteren Zeile", und in jüngster Zeit (1886) wurde in dem Hohlwege, der nach Fels führt, im "Lottergraben-Dornergraben" ein prähistorischer Herd mit zahlreichen neolithischen Gefäßresten mit Gitter Ornament, [sowohl plastisch am Rande, als gemalt im Innern des Gefäßes, vermengt mit Pferdezähnen, aufgeschlagenen Pferde- und Rindknochen,] abgegraben. Am Rand der Seite ist die Anmerkung: "Nachträglich fand ich daselbst auch ein Feuerstein Meßer."

Es finden sich in Gösing Zeugniße für Leichenbestattung und Leichenverbrennung. So wurde in dem Löß-Abhange, den Hohlwegstraße nach Stettenhof rückwärts des Hauses Nr. 91 (heute Hauptstrasse 51) eine große Totenurne mit Leichenasche ausgegraben; in dem Felde oberhalb dem jetzigen (sic!) Friedhofe, und auch im "Steinparz", wurden, nach Aussage der Leute Skelette mit kleinen Urnen, die beim Kopfe standen, ausgegraben. Leider sind diese Funde verloren gegangen -  Am Rand der Seite ist die Anmerkung: "Künstliche Höhlen."

Hier in Gösing finden sich auch künstliche Höhlen, sogenannte "Erdställe", u.zw. in verschiedenen Gruppen, so unter den Häusern 58 u.59 (heute Berggasse 6 und Florianistraße 10) mit sehr interessanten Einzelheiten, dann  sollen auch rükwärts (sic!) des Hauses 71 (heute Obere Zeile 19), im Hause 88 (heute Obere Zeile 6), am nördl. Ende der "Oberen Zeile", ferner im Schooße der "Burg" welche gewesen sein.

Im Hause 17 (heute Untere Zeile 16),  der unteren Zeile ist eine Höhle, die  durch die architektonische Verschneidung der Deckengewölbe in den Gängen und Kammern hervorragt. Im Hause 21 (Untere Zeile 19) steht der Bau mit dem Brunnen im Hofe in Verbindung u. finden sich  in der letzten Kammer "rätselhafte" Schriftzeichen. Im gegenüberliegenden Hause 24 (heute Untere Zeile 18)  muß  ein weitverzweigter, unterirdischer Bau gewesen sein; er zog sich unter den Häusern gegen  Südost bis unterhalb des Hauses 22 (heute Untere Zeile 21) hin, wo sich die große Ablagerung der Aschen- und Urnenreste findet. Am Rand der Seite ist die Anmerkung: "Reste aus der Steinzeit."

Doch noch viel weiter zurück scheint die Ansiedlung in Gösing gereicht zu haben,  denn in der Bodenleiten, und an der Felser Gemeindegrenze im "Ganaus" wurden Steinhämmer gefunden, die ich [Oberlehrer Scheithauer] erhielt, ersterer sehr schön geformt, hellgrün, mit schwarzen Adern durchzogen; letzterer (Quelle: Schulchronik 1953, Seite 2) insofern sehr interessant, weil an ihm die Bohrung an beiden Seiten begonnen, aber nicht vollendet, und als mißlungen, weggeworfen wurden.

Auch erhielt ich (Scheithauer) einen, im Jahre 1883 in einer Tiefe von circa 6 Meter im Löß ausgegrabenen Stoßzahn eines Elefanten, an dem Holzkohlenreste klebten; einen gleichen Fund machte seinerzeit hier Dr. Much im Pfundberg neben dem Fahrwege nach Feuersbrunn, circa 300 Schritte oberhalb des Pfarrkellers, und machte derselbe großes Aufsehen, weil dadurch die Gleichzeitigkeit des Menschen mit diesen vorsintflutlichen Tieren in tausenden/tausend von Jahren zurückversetzt wurde; eine Ansicht, der ich für meine Person nicht recht beipflichten kann.

Gösing hat also unstreitig ein sehr hohes Alter als Ansiedlung von Menschen, ebenso wie Stettenhof, wo Dr. Much ebenfalls eine prähistorische Ansiedlung entdeckte. Am Rand der Seite ist die Anmerkung: "Reste aus der Steinzeit."