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Elektrischer Strom seit 1922

Am 11. März 1922 wurde in Gösing das elektrische Licht eingeschaltet. Im Auftrag der Elektrizitätsleitungsgenossenschaft „Am Wagram“, an der ungefähr 30 Gemeinden teilnahmen, war das Hochspannungsnetz und das Ortsnetz von der Firma A.E.G. Union hergestellt worden. Der Strom wurde vom Elektrizitätswerk „Hohenstein an der Krems“ geliefert. In der Pfarrkirche konnte der elektrische Strom durch freiwillige Spenden installiert werden und war am 2. Februar 1924 beendet.

Die Schulchronik berichtet folgendes über dieses Ereignis:

11. März 1922 Eröffnung des elektrischen Lichtes.

Das von der Firma “A.E.G.Union”(Wien) errichtete Ortsnetz von Gösing wurde am 11. März 1922 zum erstenmale mit dem vom Elektrizitätswerke “Hohenstein” kommenden Strom beschickt.  ... Die Eröffnung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier. Unter den dröhnenden Böllerschüssen und den Klängen der strammen Ortsmusik bewegte sich der Festzug vom Keller des gastfreundlichen Vizebürgermeisters Herrn Michael [Braun] zum Ortsschalter (Feuerlöschgerätehaus), wo Bürgermeister Leopold Heiß mit kurzen Worten über die Bedeutung des Tages sprach und die Anlage dem Schutze der Gemeinde übergab. Nach dem Herrn Bürgermeister sprachen noch: Bgm Karl Höflinger - Kirchberg als Obmann der Elektrizitätsleitungsgenossenschaft “Am Wagram” ferner die Herrn Ingenieure ..... .... Gösing hatte ..... einen gewaltig Schritt nach vorwärts getan. - .... ins Gasthaus Bauer ...

Quellen: Schulchronik Gösing, Pfarrchronik Gösing 

Stauwerk Hohenstein an der Krems, 2015 [Archiv Leuthner]

Elektrizitätswerk Hohenstein an der Krems

Hohenstein Kraftwerk, Plan von 1917

Die Stadtgemeinde Krems betrieb 1918 ein kalorisches Kraftwerk mit 600 PS Leistung, dass an der Grenze seiner Leitungsfähigkeit war. Durch die Engpässe in der Lieferung von Kohle und Erdöl sowie die ständigen Preissteigerungen wurde beschlossen, verstärkt die Wasserkraft zu nutzen. Für den geplanten Bau einer elektrischen Bahn von Krems nach Gföhl war man ebenfalls auf der Suche nach einer Wasserkraftquelle. Man fand eine geeignete Stelle an der Krems bei Hohenstein, beim sogenannten Zwickl. Das Kraftwerk wurde mit drei Aggregaten für  insgesamt 1.500 Pferdestärken geplant, damit auch die Versorgung der Stadt Krems mit elektrischem Strom gewährleistet war. Am 1. Mai 1918 wurde mit den Arbeiten begonnen.  Mit 120 Arbeitern sollten bis Ende 1918 das Wehr, der Stollenbau sowie die Fundamente des Maschinenhauses fertiggestellt werden. 

Die 17 Kilometer lange Trasse der Hochspannungsleitung mit ungefähr 300 Doppelmasten wurde von 15. bis 18. Juli 1918 kommissionell begangen. Die Leitung mit 120.000 Volt Spannung führte vom Kraftwerk Hohenstein zur Lederfabrik Schmitt in Rehberg. Der Leitungsbau wurde Ende 1918 abgeschlossen. Der Fertigstellungstermin des Elektrizitätswerks Hohenstein war mit Oktober 1919 geplant.

Zusätzlich wurde im Juli 1918 das Elektrizitätswerk Zöbing am Kamp angekauft und die Gesamtleistung der Elektrizitätsanlagen der Stadt Krems damit auf 2.300 PS erhöht.

Quellen: Österreichische Land-Zeitung vom 22. September 1917, Seite 6.
 Österreichische Land-Zeitung vom 25. Mai 1918, Seite 5.
 Österreichische Land-Zeitung vom 13. Juli 1918, Seite 5.
 Österreichische Land-Zeitung vom 3. August 1918, Seite 5.
 Österreichische Land-Zeitung vom 5. Oktober 1918, Seite 5.
 Österreichische Land-Zeitung vom 7. Dezember 1918, Seite 3.

Elektrizitäts-Leitungsgenossenschaft am Wagram

Die Elektrizitäts-Leitungsgenossenschaft am Wagram wurde 1921 gegründet um den elektrischen Strom in die Haushalte der Ortschaften am Wagram zu bringen. Diese Genossenschaft wurde nach Abschluß der Arbeiten 1925 aufgelöst.

Wiener Zeitung vom 9. Juni 1921, Seite 18:
"Eingetragen wurde nachstehende Genossenschaftsfirma:
Fels am Wagram, Elektrizitäts-Leitungsgenossenschaft am Wagram, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung.
Betriebsgegenstand: a. Die Erwerbung oder Errichtung und der Betrieb elektrischer Zentralen, Überlandsleitungsnetzen und sonstiger zugehöriger Anlagen sowie der Ankauf und die Herstellung der für die vorgenannten Zwecke erforderlichen Grundstücke, Gebäude, Werke, Wasserkräfte und der zu ihrem Betriebe erforderlichen Anlagen, Transformatoren und Umformerstationen, Leitungen, Maschinen und Apparate,
b. die Errichtung von Verteilungsanlagen, Hausanschlüssen und Installationen im Hausinnern behufs Abgabe elektrischer Energie für Beleuchtungs- und Kraftübertragungs- und alle sonstigen Zwecke,
c. die Erwerbung und Herstellung der elektrischen Verbrauchsapparate, der Leitungs- und Installationsmaterialien, der Verkauf derselben für eigene Rechnung sowie die mietweise Überlassung an Abnehmer elektrischer Leistung sowie überhaupt die Ausübung aller mit der Erzeugung und Abgabe elektrischer Leistung zusammenhängenden Geschäftszweige,
d. die Erwerbung, Errichtung und der Betrieb industrieller Unternehmungen im Anschluß an die eigenen Erzeugungsstätten elektrischer Energie zum Zwecke der Ausnützung derselben.
Genossenschaftsvertrag (Statut) vom 14. April 1921.
Ein Geschäftsanteil beträgt 2000 Kronen und ist zahlbar nach Aufnahme des Betriebes.
Jedes Mitglied haftet mit seinem Geschäftsanteile und dem einfachen Betrage desselben.
Die Bekanntmachungen erfolgen durch schriftliche Verständigung aller Mitglieder oder durch Einrückung der Kundmachung in mindestens zwei am Genossenschaftssitze allgemein verbreitete Tagesblätter und
Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Krems.
Der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern:
Vorstandsmitglieder sind:
1. Karl Höflinger, Bürgermeister in Kirchberg am Wagram, Vorsitzender,
2. Franz Bauer I, Gastwirt in Fels, Vorsitzender Stellvertreter,
3. Karl Knobloch, Verwalter in Walkersdorf. Erster Schriftführer,
4. Johann Wimmer, Bürgermeister in Engabrunn, Zweiter Schriftführer,
5. Anton Rath, Bürgermeister in Walkersdorf, Kassier,
6. Franz Bauer II, Wirtschaftsbesitzer in Engelmannsbrunn, Rechnungsführer,
7. Karl Sieberth, Gemeinderat in Haitzendorf, Materialienverwalter.
Weitere Vorstandsmitglieder: Anton Fellner, Bürgermeister in Wagram,Heinrich Dum, Kaufmann in Etsdorf.
Vertretungsbefugt der Vorsitzende oder dessen Stellvertreter und ein Vorstandsmitglied.
Firmazeichnung: Der Firmawortlaut wird gültig gezeichnet, indem unter die gedruckten oder von wem immer geschriebenen Worte: "Elektrizitäts-Leitungsgenossenschaft am Wagram, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung" der Vorsitzende (beziehungsweise in dessen Verhinderung der Stellvertreter und ein zweites Mitglied des Vorstandes) ihre Namen eigenhändig beisetzen."

Wiener Zeitung vom 24. November 1925, Seite 12:
"Genossenschaft gelöscht - Elektrizitätsleitungsgenossenschaft am Wagram."

Die Elektrifizierung in Niederösterreich in der Zwischenkriegszeit

Im Kronland Niederösterreich verfügten bis 1914 fast alle bedeutenden Industriebetriebe über Eigenanlagen zur Stromerzeugung. Daneben entstanden nach dem ersten öffentlichen Elektrizitätswerk 1886 in der niederösterreichischen Stadt Scheibbs in weiterer Folge bis 1918 zahlreiche kommunale, genossenschaftliche und private Kleinkraftwerke.

Nach 1900 entstanden in ganz Österreich zahlreiche Elektrizitätswerke in den Städten und Gemeinden, die eine öffentliche Elektrizitätsversorgung autonom durchführten. Im Jahre 1918 existierten in Niederösterreich 118 Elektrizitätsunternehmen.

Nach der Gründung der Republik Österreich im November 1918 wurde beschlossen die Wasserkraft verstärkt zu nützen. Diese Aufgabe übernahmen die Landesgesellschaften wie beispielsweise die 1922 gegründete Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts AG (NEWAG).

Alle in Niederösterreich vorhandenen Energieversorgungsunternehmen legten ihren Investitionsschwerpunkt in den 1920er Jahren in den Ausbau der Verteil- und Ortsnetze und, soweit es kostenmäßig und technisch vertretbar war, auch in die Schaffung von Leitungsverbindungen zu benachbarten Elektrizitätswerken, um den Energieaustausch zu ermöglichen.

Am Ausbau der Hochspannungsnetze waren die Firmen A.E.G. Union-Elektrizitätsgesellschaft, Österreichische Brown-Boveri-Werke und Österreichische Siemens-Schuckert-Werke beteiligt. Für das Leitungsnetz im Ort mit 20 kV wurden Holzmaste verwendet die oft nicht imprägniert waren und deshalb schon nach einigen Jahren erneuert werden mussten.

Die Hausinstallation erfolgte durch Verlegen von isolierten oder sogar blanken Leitungen, montiert auf kleinen Isolatoren (Glas, Porzellan), die meist in Deckennähe an die Wand befestigt wurden.

Die benötigte Leistung eines Haushaltes wurde beim Erstanschluss in den 1920er Jahren fast ausschließlich durch die Beleuchtung, also die Anzahl der Glühlampen, bestimmt. Beispielsweise ergaben vier Lampen mit 25 Watt eine Anschlussleistung von 100 Watt = 0,1 kW. Ein heutiger, voll elektrifizierter Haushalt mit Elektroherd, Waschmaschine, Geschirrspüler, Kleingeräten und Unterhaltungselektronik benötigt ca. 8.000 Watt = 8 kW Leistung.

Die Strompreise wurden von den einzelnen Elektrizitätswerken individuell festgelegt. Die Verrechnung erfolgte entweder pauschaliert oder mittels Zähler. Die Bandbreite der Preise lag in den Jahren 1925/26 zwischen 12 und 66 Groschen/ Kilowattstunde. Das „elektrische Licht“ konnte sich auf Grund der relativ geringen Kosten noch am ehesten durchsetzen, mit deutlichem Abstand folgen das Bügeleisen und der Elektromotor für die Landwirtschaft und das Gewerbe. Doch nur wenige Leute konnten sich die Kosten für die Hausinstallation, die Geräte und den Strom leisten.

Der Abschluss der Elektrifizierung der niederösterreichischen Siedlungsgebiete erfolgte letztendlich im August 1963 in Harmanschlag im Waldviertel.

Quellen: Herbert Schmid, Die Elektrifizierung Niederösterreichs in der Zwischenkriegszeit: Baugeschichte und Netzentwicklung, Diplomarbeit, (Wien 2008).
Georg Rigele, Zwischen Monopol und Markt. EVN das Energie- und Infrastrukturunternehmen, (Maria Enzersdorf 2004).