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Einleitung

Zum 100 jährigen Jubiläum der Wappenverleihung an die Marktgemeinde Fels am Wagram, Niederösterreich, im Jahre 2006 wurde versucht, den Verlauf der Wappenverleihung zu rekonstruieren. Dazu waren umfangreiche Nachforschungen im Landesarchiv NÖ notwendig. Die entdeckten Textquellen wurden übersetzt und in der damals üblichen Schreibweise und Ausdrucksweise wiedergegeben.

Althergebrachte Wappen

Wie in den Archiven festgestellt wurde, verwendete die Gemeinde Fels am Wagram nachweislich seit 1846 ein Wappen zum Siegeln seiner Urkunden.

Siegel der Gemeinde Fels am Wagram, 1846
Siegel der Gemeinde Fels am Wagram, 1846
Siegel
Siegel der Gemeinde Fels, 1846

Die Detailansicht des Siegels von 1846 zeigt den Fischer mit seiner Daube (Netz). Umlaufend ist der Schriftzug "Fels am U[fer]" erkennbar.

Stempel Fels 1890
Detailansicht, Stempel Fels 1890

Auch ein Stempel (Insiegel) aus dem Jahre 1890 zeigt das Wappen mit Kahn, Fischer und Daube.

Wie alles begann

Wie so oft in der Geschichte beginnt auch die offizielle Wappenverleihung an einem Nebenschauplatz im Jahre 1905. Der Veteranenverein Fels wollte seine Fahne mit dem Kaiseradler besticken lassen. Also richtete man ein Ansuchen an das K.k. Ministerium des Inneren mit der Bitte um Genehmigung des Wunsches. Diese Zustimmung wurde am 1. Juli 1905 gewährt. Damit endet dieser Teil der Geschichte, zügig und erfolgreich.

Jedoch, das Ansuchen des Veteranenvereins war mit einem Stempel der Gemeinde Fels versehen gewesen. Einem Beamten des Ministeriums war der Stempel nicht geläufig. Er forschte im Adelsarchiv nach und stellte fest, dass das Wappen nicht registriert war. Und nun begannen die Mühlen der kaiserlichen Bürokratie zu mahlen.

Die Gemeinde Fels wurde aufgefordert, eine Bewilligung zur Führung des Wappens vorzulegen.

 

K. k. Ministerium des Inneren.
Nr. 372/et
Datum 29. März 1905
Referenten Erinnerung betreffend die Führung eines Gemeindewappens seitens der Gemeinde Fels am Wagram.
Statthalter in Wien.
Nach Inhalt der von Euerer Exzellenz mit dem Berichte vom 20. Feb. l. J. Zl. 450/ 5 vorgelegten Verhandlungsakten betreffend das Majestätsgesuch des Militär-Veteranen-Vereins Erzherzog Franz Ferdinand für Fels am Wagram und Umgebung um die Bewilligung zur Führung des Kaiseradlers in der Vereinsfahne, sowie des Namenszuges auf der Fahnenstangenspitze bedient sich die genannte Gemeinde eines Wappens. Da eine Gemeinde zur Führung eines eigenen Wappens lediglich auf Grund einer besonderen Bewilligung eines unzweifelhaften alten Herkommens berechtigt ist, über eine solche der Gemeinde Fels am Wagram zustehende Berechtigung aber im h.o. Adelsarchiv sich weder eine Urkunde vorfindet, noch auch bezügliche Daten oder Eintragungen vorhanden sind, ersuche ich Euerer Excellenz die Gemeinde von Fels am Wagram auffordern zu wollen, den Nachweis über ihre Berechtigung dieser Bewilligung dienende Wappenbrief ausgestellt werden. Die Äußerung der Gemeindevorstehung eventuell unter Anschluss der von derselben beigebrachten Behelfe mit der eigenen Wohlmeinung anher gelangen lassen.
Wien am 29. März 1905
Wornböck

 

Da die Gemeinde seit alters her das Wappen verwendete, setzte sie ein Antwortschreiben auf und legte einen Abdruck des Wappens bei.

Das Ministerium prüfte das Antwortschreiben der Gemeinde.

 

K. k. Ministerium des Inneren.
Nr. 729/A
Datum 26.6.1905 Zl. XVII-1981/4
Statthalterei in Wien zur. s.o. Zl. 372/A mit dem Ansuchen der Gemeinde Fels am Wagram um die Bewilligung zur Fortführung des bisher geführten Wappens und um Ermäßigung der Ausfertigungsgebühr. Die Gemeinde Fels legt einen Abdruck eines seit undenklichen Zeiten im Gebrauch befindlichen Gemeindewappen vor, welches die Anschrift trägt: "Insiegel der Gemeinde Fels am Ufer" in der Eingabe wird angeführt, dass dieses Insiegel, sowie Gedenktafeln an der Kirchhofmauer hinweisen, dass der Ort Fels als eine an der Donau gelegene Fischeransiedlung und Landungsstelle entstanden sei, während jetzt, das Strombett 6-7 Kilometer vom Orte entfernt sei.

 

Ein Antwortschreiben an die Gemeinde wurde erstellt.

 

Statthalter in Wien.
Die mit dem Berichte vom 26. Juni l. J. Zl. XVII 1981/4 vorgelegten Äußerung der Gemeindevorstehung von Fels am Wagram hinsichtlich der bei derselben in Gebrauche stehenden Gemeindewappens lässt entnehmen, dass die Gemeinde sich zwar über ihre Berechtigung zur Führung des in Rede stehenden Gemeindewappens nicht auszuweisen vermag, dass jedoch dieses Wappen von der Gemeinde zur Führung eines Wappens durch Vorlage der hierauf Bezug nehmenden Verleihungsurkunde oder anderweitiger einschlägigen Behelfe, sowie auch einer authentischen Abbildung des Gemeindewappens zu erbringen. Im Falle die Gemeinde Fels am Wagram eine ausdrückliche Verleihung eines Wappens nachzuweisen nicht vermag, wohl aber den aus alter Zeit herrührenden Gebrauch desselben darzutun in der Lage ist, wird derselben die Fortführung des althergebrachten Gemeindewappens bewilligt und hierüber über Ansuchen gegen Erlag der Ausfertigungsgebühr pr. 176 Kronen der zur Beurkundung seit längerer Zeit tatsächlich geführt wird. Unter diesen Umständen wird vom Ministerium des Inneren der Gemeinde Fels am Wagram die erbetene Bewilligung zur Fortführung dieses hergebrachten Wappens erteilt und der diese Bewilligung aussprechende Wappenbrief ausgefertigt werden, sobald die Gemeindevorstehung von Fels am Wagram eine entsprechend in Farben dargestellte Abbildung des Wappens nebst heraldischer Beschreibung desselben vorgelegt und die Ausfertigungsgebühr pr. 176 Kronen bei der h.o. Präsidial Einreichungs-Protokolldirektion eingezahlt haben wird.
Eine Ermäßigung dieser Gebühr, welche lediglich zur Deckung der mit der Ausfertigung des Wappenbriefes verbundenen Barauslagen bestimmt ist, erscheint grundsätzlich nicht statthaft.
Wien am 4. Juli 1905
Wornböck

 

Die Gemeinde erstellte eine heraldische Beschreibung des Wappens und liess auch wie verlangt einen Entwurf des Wappens erstellen.

Heraldische Beschreibung des Wappens der Gemeinde Fels am Wagram.
Der Ort Fels am Wagram wurde als Fischerniederlassung gegründet, dies beweist unter anderen ein seit undenklichen Zeiten in Gebrauch befindliches Insiegel der Gemeinde. Das Wappen der Gemeinde Fels am Wagram weist unter blauen Firmament einen grauen Felsen auf, an welchen zwei Eisenringe befestigt sind, am Fuße des Felsens sind Stromwellen dargestellt, auf welchen zwei nur zum Teil sichtbare Kähne, die mit Seilen an den Eisenringen befestigt sind, liegen. In dem einen Kahn steht ein Fischer, die Daube zum Gebrauche bereithaltend. Auf dem Felsen ist eine Kapelle sichtbar, denn tatsächlich besteht noch heute als Anbau an die Pfarrkirche in Fels, diese einst St. Nicolaus geweihte kleine Kapelle welche bestand bevor die Kirche erbaut wurde. Der Grüne Platz neben dem Felsen weist auf die Fruchtbarkeit der Umgebung desselben hin, der mit Trauben behangene Weinstock auf dem grünen Platz rechts vom Felsen, versinnbildlicht den seit Jahrhunderten von den Bewohnern der Gemeinde Fels am Wagram betriebenen intensiven Weinbau.
Fels den 23. Mai 1906

 

Der Entwurf enthält den Vermerk Althergebracht. Der Eigenschaft einer Gemeinde und den Regeln der Kunst entsprechend. und ist unterschrieben mit Leydl, Wappenpauser.

 

Entwurf Wappen
Entwurf Wappen Fels, 1906

Die heraldische Beschreibung und der Entwurf wurden an das K. k. Ministerium des Inneren gesandt.
Daraufhin stellte der Minister des Inneren den Wappenbrief mit 19. Juni 1906 aus.

 

Ad. 802/4 906
Wappenbrief
für die Gemeinde Fels am Wagram.
Über Ansuchen der Gemeinde Fels am Wagram wird derselben die Bewilligung erteilt, das im nachstehenden kunstgemäß in Farben dargestellt und beschriebene, hergebrachte Wappen fortführen zu dürfen als: Ein blauer Schild im Fußrande von einem natürlichen Gewässer durchflossen, aus welchem sich ein schroffer Fels erhebt, der eine rotbedachte Kapelle mit Turm und Langschiff trägt. Zur Linken steigt, an den Felsen sich anlehnend, ein mit grünen Rasen bewachsenes Gelände empor, in welchem ein natürlicher, mit drei rötlichen Trauben befruchteter Weinstock wurzelt. An zwei im Felsen befestigten Eisenringen sind zwei hölzerne Fischerkähne angehängt. In dem Kahne zur Rechten steht, nach vorwärts gewendet, ein Mann in Fischertracht, der in der Linken ein Tauchnetz, Daube genannt, zum Gebrauche bereit hält. Den Schild umgibt eine bronzefarbene ornamentale Randeinfassung.
Eingetragen in das Verzeichnis über Gemeindewappen.
Zur Legitimation über diese Wappenberechtigung wird gegenwärtige Urkunde ausgefertigt und ausgefolgt.
Wien, am 19. Juni 1906
Der k.k. Minister des Inneren

Der Wappenbrief wurde vom Statthalter an die Gemeinde versandt.
Diese bestätigte im September 1906 den Empfang des Briefes.

 

Statthalter in Wien.
Unter Rückschluss der Beilagen den Bericht vom 26. Juni 1905 Z XVII 1981/4 und vom 9. Juni l. J. Zl. XVII 2969/6, beehre ich mich Euerer Excellenz in der Anlage den für die Gemeinde Fels am Wagram ausgefertigten, die Berechtigung zur Führung des Hergebrachten Gemeindewappens beurkundenden Wappenbrief mit dem Ersuchen zu übermitteln, denselben von obgenannter Gemeinde gegen unmittelbar an die h.o. Expeditsdirektion einzusendenden Empfangsbestätigung ausfolgen lassen zu wollen.
Wien, am 29.8.1906

 

Empfangsbestätigung.
Über das von Seiner Excellenz dem Herrn k.k. Minister des Inneren eigenhändig unterzeichnete Plakat betreffend die Berechtigung der Gemeinde Fels am Wagram zur Führung eines Wappens mit fünf Stück Beilagen.
Fels am Wagram am    September 1906
Johann Schober  Bürgermeister     Johann Huber Gemeinderat.
ad 802/a 06

Wappen Fels, 1906